SEONGHWAN AHN und die kritikfreie Reflexion

SEONGHWAN AHN und die kritikfreie Reflexion der Gegenwart
Das kleine Atelier liegt am Fuße des historischen Viertels in Bukchon, man tritt ein, weil man die farbenfrohen und kontrastreichen Werke am Ende des Hauses erkennt und neugierig wird. Man ist sofort im Bann der Werke. Ein paar Stufen nach oben und man kann auch die kleine Kunst kaufen. Die Kunst, die Touristen lockt und die ein gutes Zubrot für die Künstler ist. Es ist ein kleiner Drache, den ich mit nach Hause nehmen werde. Gold auf schwarz. Klein genug, um in den Koffer zu passen, obwohl ich auch schon eines der großen Werke im Ausstellungsraum im Auge habe.

Der Künstler der zeitgenössischen, modernen Werke heißt Seonghwan Ahn. Er ist ein ruhiger, zuvorkommender Mann, der bereitwillig seine Arbeit erklärt. Ein angenehmer Mensch. Er erzählt, dass er eigentlich Buchillustrator ist, hat aber vor 8 Jahren beschlossen sich nur noch den eigenen Ideen zu widmen. Keine Aufträge mehr, sondern frei arbeiten und seine Sicht auf die Dinge zu hinterlassen.

Wer je Plätzchen mit Zuckerschrift verziert hat kann sich in etwa vorstellen was in Seonghwan Ahns Kunstwerken für eine Arbeit steckt und mit wieviel Geduld und mit welch ruhiger Hand er arbeiten muss, damit die Arbeiten so gleichmäßig und perfekt gelingen. Das Ergebnis ist beeindruckend. Dass der Künstler sein Handwerk versteht beweisen unzählige Zeichnungen und Skizzen in seinem Studio und schaut man an die Decke entdeckt man ein Dreiergespann Pferde, das perfekter nicht hätte gezeichnet sein können. Eine ältere Arbeit von Che Guevara hat er in der Ecke versteckt, weil sie ihm längst nicht mehr gefällt, wir lassen sie uns dennoch zeigen und halten sie für gelungen, doch er möchte das Augenmerk auf seinen jüngeren Arbeiten wissen.

Ältere Airbrush-Arbeiten hängen neben den jüngeren Werken, fein gespritzten Acrylarbeiten. Man erkennt schnell: Seonghwan Ahn liebt Katzen. Mensch und Katze, das Spiel mit der Psychologie dahinter. Die Katze auf dem Beifahrersitz gibt Anlass zu Spekulationen. Es bleibt dem Betrachter überlassen, was er aus der Szene macht. In weiteren Werken der blau-weißen Phase geht es in mystischer Stimmung mit dem Auto in die Berge. Eine Geschichte baut sich im Kopf auf. Die Katze auf dem Beifahrersitz, eine Tour in die Berge.... Mir wird erzählt, man würde hierzulande Katzen sehr lieben. Tatsächlich sehe ich häufig streunende Katzen, weniger Hunde als Weggefährten. Vielleicht ist es das, was ihn fasziniert, dass Katzen kommen und gehen und nicht leicht zu halten sind. Katzen haben ihren eigenen Kopf, einen eigenen Willen, sind unbeugsam und nicht leicht zu durchschauen. Die Katze könnte für zwischenmenschliche Begegnungen im Allgemeinen stehen. Seonghwan Ahn lässt es offen.

Ebenso, wie er die Kritik in seinem jüngsten Werk verneint. Ein großformatiges, kontrastreiches, farbenfrohes Triptychon, das den Zustand des Hier und Jetzt reflektiert. Die Menschheit unter einem riesigen Berg aus Konsumgütern. Im ersten Moment sieht man nicht sofort, was sich in dem Farbengewirr versteckt. Man muss genau hinschauen und eintauchen, dann erkennt man. Seonghwan Ahn betont, dass es lediglich eine Reflexion des Hier und Jetzt ist. Der Mensch unter der Last des Konsums. Wie ausdrucksstark und beeindruckend das Werk ist, ahnt der Künstler längst. Er hat schon in New York gelebt und er will wieder dorthin. New York, die Metropole, in der die Kunst vermeintlich so leicht zu verkaufen ist. Ein großer Traum des Künstlers.

Dass seine Werke das Potential haben vor allem bei jüngeren Leuten gut anzukommen ist ihm bewusst. Tatsächlich sind die zeitgenössischen Werke so ansprechend farbenfroh, dass sie auch in Europa auf größeres Interesse stoßen könnten. Als nächstes wird es für Seonghwan Ahn aber erst einmal nach Hongkong gehen. Er ist auf der Suche nach Galeristen, die sein Potential erkennen und hat noch viel vor. Er arbeitet fleißig an seinem Traum und der Zuspruch der zahlreichen Besucher, die den Weg in sein günstig gelegenes Atelier in Bukchon finden motiviert ihn zusätzlich täglich aufs Neue. – Seonghwan Ahn wird es schaffen und dann hoffen wir, ihn auch in Europa bewundern zu können.