Sven Kierst im WW40 in Aachen (LICHTBEUTE V):

T. Goergers LICHTBEUTE V:

Sven Kierst im WW40 in Aachen (6./7., 13./14.04.2019 11-18 Uhr)

Schließ die Augen und sieh!!! - Was denkst Du, wenn Du es Dir noch einmal sagst? - LICHTBEUTE!!!

Im Dunkeln sehen wir nicht, glauben wir, doch wir haben Bilder im Kopf. Welche Bilder? Aus allem, was wir im Leben erleben, sehen, fühlen, hören und wahrnehmen setzt das Gehirn Bilder zusammen und diese Bilder machen uns aus. Sie beherrschen unser Denken und steuern unser Handeln und irgendwo dazwischen sitzt unsere Seele. - Welche Bilder sind es, die uns ausmachen? Welche Bilder haben wir gesehen, wollen wir sehen, suchen wir? Welche Bilder bewegen unsere Seele?

Extensive Landscape, 2016, 68x120cm, Aufl. 6+1e.a.

Es ist kein Rapsfeld, es ist keine Eislandschaft, es ist kein Sand und keine Erde was wir sehen. Wir schauen genau und erkennen. Und mit der Erkenntnis, mit dem Einsetzen des eigenen Denkens, Grübelns, Hin- und Herschiebens der Schlussfolgerungen nach der Wahrnehmung, geschieht etwas Nachhaltiges. Es entsteht Erinnerung!

Noch einmal: Schließ die Augen und sieh!

Und dann siehst Du! Du siehst das Bild mit geschlossenen Augen, siehst das Rapsfeld, siehst die Eislandschaft, den Sand und die Erde. Und das, obwohl Du inzwischen weißt was es ist. Das ist es was Kunst ausmacht! Tief bewegen! Nachhaltig beeindrucken! Beeinflussen!

Sven Kierst ist Kunstfotograf. Er betont, dass er nicht manipuliert. Das Bild, das wir sehen, hat er so gesehen und aufgenommen. Keine Inszenierung, keine Nachbearbeitung. Er zeigt uns den Ausschnitt, den er uns sehen lassen will, in dem Licht, das vorherrscht, in der Farbstimmung der Sekunde der Aufnahme. Er lässt uns teilhaben an einer tieferen Wirklichkeit hinter dem, was er wahrgenommen hat. Es geht um den ersten Eindruck, den besonderen Blick, die besondere Wahrnehmung. Etwas, das uns nicht mehr loslässt. Noch während wir verzweifelt nach der Wahrheit, ja nach der Realität suchen, das zu erkennen suchen, was vor Ort im Moment der Aufnahme war, stößt er uns an zu denken und lässt uns Raum für eigene Interpretation. Dabei ist er offen für neue Sichtweisen.

Auf der Ausstellungsankündigung schreibt Kierst: „Da die Kunst um die Vergänglichkeit weiß, sucht sie nach einer Wahrheit, die sich ihr entgegenstellt. Diese lässt sich nur finden, indem ich die Vielschichtigkeit des Objekts erfasse, mich für einen Blick entscheide, um dem Bisherigen etwas Neues hinzuzufügen.“

Der Düsseldorfer Fotokünstler präsentiert in der Ausstellung Lichtbeute V im WW 40 in Aachen eine gelungene Auswahl seiner Arbeiten, von klar strukturiert, geometrisch komponiert bis dynamisch, und voller Bewegung. Was bisweilen abstrakt wirkt, verbirgt vielleicht eine tiefere Bedeutung und man darf sich gern auf die Suche machen…

Disappearing inside 05-08, 2016, je 60x45cm, Aufl. 8+2e.a.

Darüber, wie die Auswahl der Werke gehangen wird mag man auch etwas über den Künstler erfahren und wenn eine ausstellungsfremde Kuratorin auffordert, während der Ausstellung die Komposition der Hängung zu verändern, weil sie glaubt, dass eine der Arbeiten die Harmonie der Serie störe, ihr die „Symphonie“ nehme, er aber betont, dass er gerade diesen Bruch beabsichtigt, sich dennoch auf das Experiment einlässt und den Betrachtern für einen kurzen Moment die Möglichkeit gibt sich damit auseinanderzusetzen welche Lösung ihnen am angenehmsten ist, darf man „angetan“ sein, denn der Künstler lässt sich auf den spontanen, unvorhergesehenen Dialog mit seinen Bewunderern ein. Keine Starallüren oder verschrobene Abgeklärtheit. Bei Sven Kierst ist Raum für das eigene Denken!

Disappearing inside 05, 06, 08, 2016, je 60x45cm, Aufl. 8+2e.a.