21. Kunstausstellung in Bürstadt

Das Bürgerhaus Bürstadt stand vom 12.-14.10.18 wieder ganz im Zeichen der Kunst. Zahlreiche Werke aus Malerei, Fotografie und Skulptur regionaler, wie überregionaler Künstler waren auf der 21. Kunstausstellung des Künstlerverein Bürstadt 1994 e.V. zu bestaunen. Neben altbekannten Werken präsentierten die Künstler auch Neues und Überraschendes.

Klaus Odenwald

Klaus Odenwald, bekannt für seine rauen, beeindruckenden Landschaften der Bretagne hatte dieses Mal ein Werk im Gepäck, das wirkte, als habe er verschiedene, geometrische Formen in transparenten Ebenen über die Landschaft gelegt. Der Betrachter selbst kann nun entscheiden, ob die Harmonie der Landschaft gestört wird, oder die Entfremdung der Landschaft erst den besonderen Reiz ausmacht und eine Spannung erzeugt, die ihn immer wieder in seinen Bann zieht.

Toni Keller

Toni Keller, der den Jurypreis der Ausstellung, punktgleich gemeinsam mit Nadia Kimova gewann, beeindruckte mit seinen Großstadtansichten. Keller liebt die Perspektive und während die früheren Werke in den Raum wirkten zeigte er dieses Mal eine Ansicht, die in die Tiefe wirkt. Tatsächlich wirken die Bilder, wie aus der Ansicht einer Drohne. Vogelperspektive in vollendeter Form.

Nadia Kimova

Das Nachwuchstalent Nadia Kimova, Gewinnerin des Jurypreises, punktgleich mit Toni Keller, wie bereits erwähnt, schafft es immer wieder uns mit ihren großformatigen aquarellierten Werken in Öl in ihren Bann zu ziehen. Es ist, als blicke man in eine Welt hinter der Leinwand, auf irgend Etwas, das einen zum Grübeln bringt. Kimova ist auch für bizarren Fotografien bekannt und ihre Werke wecken bisweilen dunkle Fantasien wie bei guten Psychothrillern. Man kann den Blick einfach nicht abwenden, auch wenn das Bild, das sich zeigt manchmal verstörend erscheint.

Peter Frick

Peter Fricks neueste Werke zeigen den Mensch in modernen Zeiten. Zwischen Zahnrädern tanzend, rennend, laufend, verzweifelnd, kauernd,… der Mensch in der großen Maschine gefangen. Wofür steht die Maschine? Für die Gegenwart? Modernes Sklaventum? Neuzeit? Der Betrachter ist aufgefordert sich Gedanken zu machen und wahrscheinlich zieht jeder seine eigenen Schlüsse, und so soll es auch sein. Dafür ist Kunst ebenfalls da: Aufzurütteln, wachzurütteln, zum Nachdenken anzuregen. Bei Peter Frick kann man das. Die moderne Welt ist technisch und der Mensch steckt mittendrin im Wahnsinn der Technik. Wo ist sein Platz, fragt man sich. Die Werke des Künstlers zeigen das Auseinandersetzen mit der Gegenwart und haben etwas Philosophisches an sich. - Und dann gibt es da noch die farbenfrohen Portraits von Menschen aus aller Welt. Peter Frick legt keinen Wert auf fotorealistische Abbildungen, seine Gesichter sind im Gesamtkunstwerk zu betrachten, das manchmal leicht verzerrt wirkt. In Zeiten von „High Definition“ muss man das Sehen wieder neu erlernen. Das Sehen von dem, was eigentlich nicht zu sehen ist. Das bringt uns Peter Frick wieder nahe.

Walter Hrivnak

Walter Hrivnak präsentierte sein neuestes Werk, eine Madonna in seinem unnachahmlichen farbenfrohen Stil. Ihm zu eigen ist die Liebe zum Detail. Er beherrscht es Portraits und Gesichter zu malen und realistische Zeichnungen seiner Beobachtungen anzufertigen, aber anstatt fotorealistisch abzubilden abstrahiert er das Unwesentliche. Er experimentiert bei der Farbgestaltung von Hintergrund oder Umgebung, verfälscht manchmal die Farben oder benutzt bewusst grelle, poppige und moderne Farben, so dass die Werke eine echte „hrivnaksche“ Note bekommen. Die Realität erhält so einen neuen, einladenden Anstrich!

Rosel Grassmann

Besonders beeindruckend sind die Foto-Auftragsarbeiten von Rosel Grassmann. Für einen einzigen Tag, eine einmalige Aufnahme werden Menschen geschminkt und in Szene gesetzt. Die nackten Gestalten betören wie Wald- und Naturgeister aus Märchen oder Fantasy-Szenen. Als Teil der Natur scheinen sie eine besondere Energie abzugeben und beim Anblick der Aufnahmen ist es, als könne man diese Energie spüren. Man taucht ein in eine völlig fremde Realität. Rosel Grassmann hat die Energie für die Ewigkeit festgehalten. Momente voller Energie und Harmonie.

Herbert Fröhlich

Wie kreativ Menschen ihre Sicht auf die Welt darzustellen imstande sind, zeigen auch die Werke von Herbert Fröhlich, der seine Sicht der Dinge teilweise skurril und bizarr abbildet. Fröhlichs „Krieger“, wahrlich keine Schönheit, ist dennoch anziehend auf seine Weise. Obgleich nicht vertraut, ist es als träfe man einen alten Bekannten wieder und man beginnt zu grübeln woher dieses Gefühl kommt… Und beim „Paradies“ wird es sicher nicht ganz unbeabsichtigt sein, dass es der nackte Herr ist, der das asiatische Aussehen erhalten hat. - Verdrehte Wirklichkeit. Wer also ist der Sünder? Da darf man mal verharren und drüber nachdenken. Die Welt in Ansätzen surrealistisch zu verzerren, wenn auch nicht ganz im Stil der großen Meister, das ist Herbert Fröhlich! - Seine Gemälde verlangen unbedingt einen zweiten Blick.

Wie immer bei solch großen Kunstveranstaltung kommt man am Abend nach Haus und fühlt sich ein wenig erschlagen von sooooo viel Kunst und man weiß gar nicht, an was man sich noch erinnern kann. So war Martin Bähring unter anderem mit seinen endlos erweiterbaren ElementeWelten vertreten, Jürgen Klaban präsentierte sich mit Werken, die jung, frech, bunt und neon nach Aufmerksamkeit geradezu schreien; ineinanderfließend, wabernd, zerfließend, geht einem durch den Kopf, wenn man an die Werke von Brigitte Rüdiger denkt, und so vieles mehr gab es auf der 21. Kunstausstellung in Bürstadt zu bestaunen. Fazit nach dem Wochenende ist auf jeden Fall: Es ist immer wieder spannend sich der Kunst zu widmen und hinzuschauen was der schöpferische Menschengeist zu vollbringen imstande ist. - Die Kunst lebt!!!