ARTe Sindelfingen & Ausstellung Menschwerk 2019

Vom 22.03 - 24.03.19 gab es sowohl in Sindelfingen als auch in Aschaffenburg einiges zu sehen.

Zwei Ausstellungen an einem Wochenende und sooooo viele Eindrücke.
Da waren die ARTe Sindelfingen und die Ausstellung von Menschwerk in zwei stillgelegten Produktionshallen der impress Decor Company in Aschaffenburg, die ihren Fokus jüngst auf Vertrieb und Design gelegt hat.
Kunst ist so bereichernd, so inspirierend und so … wertschöpfend!!! Manchmal glaubt man alles schon gesehen zu haben, doch dann erkennt man, jeder kreative Geist setzt neue Impulse. Inspiriert auf seine ganz eigene Art und Weise und berührt……!
Kunst will etwas bewegen. Uns etwas mitteilen. Uns beeindrucken. Wir haben alte Bekannte getroffen, die wir seit drei Jahren in ihrem künstlerischen Schaffen verfolgen. Und neue Talente entdeckt, auf deren weiteres Schaffen wir gespannt sind. Vieles ähnelt sich. Es scheint, als wolle ALLE Welt auf das Pferd „abstrakt“ aufspringen und das in mal mehr und mal minderer Güte, doch man kann auch nach Perlen tauchen. Wir haben uns nach dem Besonderen umgeschaut und sind immer wieder fasziniert von der Fähigkeit Mensch und Antlitz in Szene zu setzen und so verharren wir vor allem vor den Werken jener Künstler, die uns zutiefst berühren.

Elena Schmidt

CRELALA unterwegs auf der ARTe Sindelfingen vom 22.03. – 24.03.2019
Teebeutel! Wer käme auf die Idee einen Teebeutel auf einem Kunstwerk zu suchen? Elena Schmidt arbeitet in ihren Werken mit verwendeten und getrockneten Teefiltern!!! - Was für eine Idee. Wer käme wohl im Normalfall darauf? Die Farbe des Tees gibt den Bildern am Ende ihre eigene Note. Immer wieder ist es die Faszination Teebeutel, die Elena Schmidt antreibt: Was kann man alles aus einem Teebeutel machen und mit einem Teebeutel anstellen. Jüngst kommt es ihr vor allem auf die Emotionen in den Gesichtern der Abgebildeten an. Zum Beispiel die Lebensfreude eines bitterarmen Mädchens in Peru beim Gummitwist. Manchmal muss man weit gereist sein, um den Horizont zu erweitern. Und wenn wir uns hier, in unserer sauberen, heilen, kleinen, deutschen Welt vor dem Draußen abschotten wollen, sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, dass wir privilegiert sind in einem so reichen Land mit funktionierendem Sozialsystem leben zu dürfen.

Ute Roim

Ute Roim fotografiert Gesichter, sie liebt Fotografie und fotografiert ihre Models selbst. Sie hat große Achtung vor der Qualität der namhaften Fotografen und will sich selbst in der Vielfalt positionieren. Ihr Ansatz: Die Fotografie, dann übermalt sie und am Ende arbeitet sie mit Resin, aber nicht flächig. Ihre Bilder auf der ARTe sind Portraits, die aber nicht realistisch abbilden sollen. Es sind großformatige Porträts, aber hervorgehoben ist nur ein Detail, so zum Beispiel eine Kaugummiblase in ROT, ähnlich der Asiatin von Mari Arp auf der discovery art fair Frankfurt, oder einfach die lachenden Münder der Abgebildeten. Das Lachen reißt mit! Das Gesicht, hell gehalten, rückt in den Hintergrund, das Detail, der rote Mund, zieht in den Bann. - Bewegt!

Ramona Leiss

Sowohl abstrakt, als auch figurativ in frech, lustig und bunt… so sagt Ramona Leiss über ihre Werke in Acryl, zum Teil auch mit Resin überzogen. Tatsächlich ist ihre Kunst beeindruckend und ihre Bilder erzählen Geschichten. Auf den zweiten Blick kann man eine Menge entdecken. Jugendlich, jung, wie skizziert, cartooniert, nur bedingt abstrahiert, die Message ihrer Bilder ist eindeutig: „Lebensfreude“! - Das Leben nicht all zu ernst zu nehmen, mutig zu sein und einfach mal zu machen, das können wir aus den Werken mitnehmen und wir sind begeistert, einer so sympathischen, grundehrlichen und direkten Künstlerin begegnet zu sein.

Ilse Heffler

Oberflächliche Schönheit, Perfektion und gefällige Äußerlichkeiten,… es scheint, das ist es wonach sich die Welt verzehrt, aber was bleibt übrig, wenn all das vergangen ist? Was wird zurückbleiben? Welche Erinnerung? Ilse Heffler überraschte bei der ARTe Sindelfingen mit einer blauen Serie, called: The blue line. In diesen Werken verzaubert sie uns mit dem ihr üblichen Strich, mal abstrakt, mal figurativ, und lässt uns für einen Moment die Realität vergessen, indem sie uns all das gibt, wonach wir uns möglicherweise sehnen. Auf der einen Seite widmet sie sich durch ihre Objekte der Stärke, dem Mut und der Schönheit, auf der anderen Seite dem Glauben, der Liebe und der Hoffnung. Sie versucht in Ihrer neuen Serie verschiedene Sehnsüchte zu wecken. Man könnte süchtig danach werden und doch am Ende leer ausgehen.

CRELALA unterwegs bei der Ausstellung Menschwerk am 23.03.2019

Uschi Ellison

Bei der Ausstellung von Menschwerk zieht uns Uschi Ellison mit ihren farb- und ausdrucksstarken, Gesichtern von überwiegend farbigen Frauen in ihren Bann. Man fragt sich oft, wer sich fremde Menschen in das eigene Wohnzimmer hängen würde, aber bei Ellisons Werken beeindrucken die farbstarken Frauen im doppelten Sinn: STARKE, FARBIGE Frauen! Sie zeugen von einer stolzen Erhabenheit, die westlichen Frauen oft abhandengekommen scheint. In den jüngsten Werken spielt Ellison mit Nostalgie auf alten Comic-Seiten. Dann verknüpft sie das Alte mit dem Neuen, klebt Stoffe auf und malt mit Acryl darüber, wieder und wieder, bis die gewünschte Tiefe im Bild erreicht ist.

Antonia Nork

Auch die Vollzeitkünstlerin Antonia Nork hat sich „Frauen-Bildern“ verschrieben. Die strahlenden Farben der einzelnen Werke lassen einen schließlich vor einem Regenbogen der Kunst stehen und man würde am liebsten alle Werke gleichzeitig mitnehmen, um sie das eigene Leben zum Strahlen bringen zu lassen. Die perfekte Harmonie der Farben, der abstrahierte Hintergrund, das märchenhafte Antlitz der Damen… mystisch, verzaubernd, berührend. Antonia Nork hat uns überzeugt! Ohne Kunst wäre das Leben nur eine Aneinanderreihung von vergänglichen Augenblicken, in denen man nicht weiß, dass es über das eigene Leben hinaus noch so viel mehr gibt, auf das man schauen sollte. Man kann in der Kunst aus der Seele eines anderen lesen.

Konstantin Rupp

Auch in Konstantin Rupps Seele haben wir geblickt. Das Leben, Lebendigkeit und die Faszination Tierwelt, vor allem der starken Wesen, denen er gleichzeitig etwas sanftes entlockt, graviert der Künstler in Leder. Die Farbe des Materials, ausschließlich Rindsleder, lässt das Werk alt und vergilbt wirken, die Abbildungen erhalten dadurch eine besondere Tiefe und seine Motive strotzen vor Energie. Die Bewegungen mit einem Messer einzufangen, den Moment einzufrieren und den Betrachter mitzunehmen bei der eigenen Ideenreise gelingt Konstantin Rupp vortrefflich. Man kann den Gorilla förmlich brüllen hören, wenn man vor ihm steht und beim Polospieler wartet man auf das typische Geräusch, wenn der Schläger den Ball trifft. Man verweilt auf jeden Fall einen Moment und lässt das betrachtete Werk auf sich wirken. Ein flüchtiger Blick im Anschluss bringt sofort die Sehnsucht zurück.

Sehnsucht ist eine wesentliche Triebfeder der Menschheit. Seit jeher! Der Mensch würde als Wesen im Hier und jetzt zufrieden sein, würden sich nicht aus Erlebtem und Erfahrenem Träume und Wünsche für die Zukunft ergeben. Sehnsucht! - Das kann ganz Unterschiedliches bedeuten. Manchmal weiß der Mensch nicht einmal wonach er sich sehnt, doch das Gefühl ist da.

Katinka Dermietzel

Es ist die Kunst, die uns manchmal in dieses Reich der Sehnsucht mitnimmt. Auf der ARTe in Sindelfingen sind wir Katinka Dermitzel wiederbegegnet und als wir ihre Werke erkannt haben, war es genau diese Sehnsucht, die uns sofort wieder in den Sinn kam. Schemen im Nebel, geisterhaft im Hintergrund und doch so tiefgründig; - das Herz ist berührt.

Munin-Glück

Berührt, wie auch bei Munin-Glück. Auch ihr sind wir nicht zum ersten Mal begegnet und auch dieses Mal würden wir am liebsten alles einpacken und mitnehmen. Farbreduzierte Großformate, ein Gefühl, als würde man in einen Film geschleudert. Menschen mit gequälten Gesichtern wie zusammengepfercht in einer Industriehalle, schwarze Gestalten in Kreuzgängen, Menschen hinter Säulen, ein großformatiges Porträt eines Farbigen, nicht erkennbar ob männlich, oder weiblich, mit kühlem Blick, Man schaut ihm in die Augen und wartet. Was geschieht mit einem, was kann man sehen? Ist das Gegenüber freundlich, kalt oder gar feindlich? Der Betrachter selbst muss es herausfinden. Es ist die Tiefe in Munins Werken, die einen einnimmt. Es braucht nicht viel Farbe, um die Schichten des Lebens herauszuarbeiten, manchmal reicht eine Tönung, um die Aussage ans Licht zu bringen, aber genau diese Kunst beherrscht die Künstlerin.