ARTe Wiesbaden 09/2019

CRELALA unterwegs auf der ARTe Wiesbaden, 20.- 22.09.2019
ARTe Wiesbaden, die erste Kunstmesse dieser Art in Wiesbaden, im September 2019.
Es war ein Heimspiel in Wiesbaden! „Back to the roots“ besuchte CRELALA Kunst die hessische Landeshauptstadt an einem herrlich sonnigen Wochenende. Das RheinMain CongressCenter war gut besucht und kunstinteressierte Wiesbadener, wie auch angereiste Kunstkenner, oder-entdecker kamen hier auf ihre Kosten. Alte Gesichter und neue Talente präsentierten ihr Können und die neuesten Werke.

Corinna Kleindorp

Während das Land den Klimawandel im Fokus hat, alle Welt darüber redet und diskutiert, wie man die Welt retten und den Lebensraum Erde sichern kann, präsentiert die Kunst eine andere Wahrnehmung der Realität. Scheinbar losgelöst vom Hier und Jetzt zeigt sich Reales, Idealisiertes, sowie Abstraktes in vielen Schichten und die Katastrophen in der Welt verlieren für einen Wimpernschlag der Unendlichkeit an Bedeutung. Man verdrängt die Plastikmeere, Müllberge und Energieverschwendung, und alles, was die Nachhaltigkeit empfindlich stört. All das scheint vergessen, wenn man in Corinna Kleindorps Meere eintaucht, die noch ursprünglich und wild wirken, ganz so, als gebe es kein Morgen. Man kann den Wind fühlen, sieht wie die Gischt sprüht und hört fast die Urgewalt der tosenden Brandung. Wieder ist es das Meer, das eine Künstlerin inspiriert hat. Wieder das Wasser, das von so unendlich großer Bedeutung für alles Leben ist. Die Künstlerin aus Seewald erklärt, dass sie ihre Werke bis kurz vorm finalen Feinschliff vollständig mit einem langen Spachtel entstehen lässt. Sie trägt Schicht um Schicht auf, bis die Farbkomposition endlich im Sinne ihrer Betrachtung perfekt wirkt. Dann folgt der letzte Strich mit dem Pinsel, bis das Werk Vollkommenheit erlangt. Gerade in unruhigen Zeiten wie diesen begreift man Corinna Kleindorps Arbeiten als Aufruf zur Besinnung und sie schaffen es den Betrachter an die raue See zu entführen.

Susanne Freiler-Höllinger

Die beruhigende Wirkung von BLAU, wie in den Meeresansichten von Corinna Kleindorp, finden wir auch bei Susanne Freiler-Höllinger, nur hier in einem ganz anderen Kontext. Ihre Computerköpfe dienen als Mahnmal der Neuzeit und raten zur Vorsicht. Vorsicht in all dem digitalen Wahnsinn nicht den Überblick zu verlieren. Manchmal scheinbar unmöglich und doch gibt es die Möglichkeit der Struktur. Alte Platinen werden Teil neuer Schaltkreise und Upcycling erhält eine
weitere Richtung. Die Elektronik-Kunst von Susanne Freiler-Höllinger ist ein echter Hingucker und für jedes IT-Unternehmen ein Geheimtipp der besonderen Art. Interessant zu beobachten ist, dass die Werke der Künstlerin vor allem die Herren ansprechen. Ist digitales Upcycling also eine Genderfrage?

Bernd Müller

Dass das digitale Zeitalter den ein oder anderen bisweilen in den Wahnsinn treibt und ein nachhaltiges Zeitmanagement bei einem Kopf voller kreativer Ideen fast unmöglich scheint, das zeigt der Bildhauer Bernd Müller. Sein Hamsterrad spiegelt den Alltag der Businesspeople wieder, die Tag für Tag ins Büro rennen, sich tagein tagaus knechten, um irgendwann, eines Tages, oben zu stehen, dann aber oft doch nicht weitergekommen sind, als bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie ausgebrannt in ihrem Hamsterrad sitzen und nicht weiterwissen. Das dritte Werk, noch nicht vollendet, wird die Zeit danach sein. Der Bürosklave, der nach dem Burnout entspannt in seiner Hängematte liegt. Gespannt vom einen Ende zum anderen Ende des oben offenen Hamsterrades. Die Bronzeskulpturen des Kölner Künstlers, von denen es in limitierter Auflage bei den großen nur drei, bei den kleinen nur fünf gibt, wie er erklärt, sind ein absolutes MUST HAVE für jeden Kämpfer in der freien Wirtschaft. Zeitgeist und Gesellschaftskritik offenbaren sich hier mit einem Augenzwinkern und wer den tieferen Sinn erst einmal erkannt hat wird auch die Schönheit der Arbeiten nicht leugnen können. Wer nicht gerade Manager oder Boss ist kann sich in den Stimmungseulen wiederfinden. Die kleinen Eulen, deren Körper und Köpfe je nach Stimmung drehbar gegeneinander verstellbar sind können als friedliche, stille Botschafter gestellt werden, die dem Gegenüber wortlos mitteilen, wie man gerade mit einem umgehen sollte. Ein wunderbares Geschenk für die, die schon Alles haben!

HYP YERLIKAYA

Bei dem Maler und Fotografen HYP YERLIKAYA sind es die Farben, die in ihren Bann ziehen. Noch bevor man erkennt, worum es in den Werken geht, laden die POP-ART-Werke zur genaueren Betrachtung ein. Auf den zweiten Blick ist man vielleicht peinlich berührt oder schockiert. Je nachdem. Man kann gespaltener Meinung sein, was an Abbildung in der Kunst erlaubt ist und was nicht. Man darf sich seine eigene Meinung bilden und wird vielleicht daran vorbeieilen, aber worauf es lohnt hinzuweisen ist die Intention des Künstlers. Er klärt uns auf, dass Deutschland Weltmeister im Konsum pornografischen Bildmaterials ist (vor der Zensur war es seiner Aussage zufolge die Türkei) und die durchaus provokante, sehr offen darstellende Bilderserie ist Auftakt zu einer Serie, die für eine Ausstellung in
Mannheim entsteht. Er verweist auf das Projekt Amalie in Mannheim, das Prostituierten helfen soll den Ausstieg in ein normales Leben zu schaffen. Ein förderungswürdiges, soziales Projekt. Man sollte die Werke also in erster Linie als Aufruf zum Nachdenken verstehen, darf ihnen aber auch kritisch gegenüberstehen.

Malgorzata Scholz

Genauso ein Hingucker ist die Kunst von Malgorzata Scholz. Sie hat sich in ihrer Werks-Serie auf der ARTe Wiesbaden dem Fahrrad gewidmet. Noch nicht vollständig abstrahiert und flüchtig wie der Moment sind die Werke, die wie ein Appell wirken endlich in der Neuzeit anzukommen und aufs Auto zu verzichten.
Was man sieht rüttelt auf. Gleichzeitig erkennt man die Quälerei hinter dem Fahrradzwang! Als hätte das Fahrrad den Fahrer besiegt springt die Erschöpfung ins Auge. Jugendlich, wild, mit so viel Leben gefüllt, verliebt man sich in die Großformate der Künstlerin und möchte am liebsten sofort eins schultern und mitnehmen. Nur wenige Künstler verstehen es den Augenblick in einer beschleunigten Welt so ausdrucksstark festzuhalten.

In einer Zeit des Umbruchs braucht man Lebenslust, und die Lebenslust ist es, was Kunst vermag zu vermitteln. Die Kunstmesse ARTe schafft das! Dieses Mal in Wiesbaden, nächstes Mal in Sindelfingen. CRELALA Kunst empfiehlt: Save the date! ARTe Sindelfingen: 19. - 22.03.2020

Weitere Künstler

Dr. Blanca Mandel

Bei der Künstlerin Dr. Blanca Mandel wirkt es manchmal als habe sie einen etwas verträumten Blick auf die Welt. Ihre Werke erzählen. In den jüngsten Arbeiten hat sie sich Gesichtern gewidmet. Ganz im Trend der Zeit. Man darf in den Blick im Augenblick eintauchen und vermag es vielleicht hinter den Horizont zu blicken. Farbenfroh und detailverliebt, kann man in den Werken der Künstlerin immer wieder Neues entdecken.

Suzanne Kolmeder

Über Suzanne Kolmeder, auf der ARTe Wiesbaden mit der Galerie Kerstan, wollten wir schon längst berichtet haben. Immer wieder begegnet man ihr auf Messen und Ausstellungen und ahnt die Bedeutung ihrer Arbeiten. Beschäftigt man sich näher mit ihrer Kunst erkennt man die Tiefe in der Aussage. Wie Mahnmale der Neuzeit starren sie einen an. Es ist NICHTS erkennbar und kann doch ALLES enthalten. Die Netzwerke in allen Bereichen umspannen den Globus und halten die Menschheit gefangen. Was Mensch will scheint längst beschlossen und vorprogrammiert. Man gerät ins Philosophieren, wo alles enden wird. Sicher ist eins: Die Großformate hinterlassen einen tiefen Eindruck.

Matthias Kretschmer

Matthias Kretschmer, bekannt als der Mann mit den Löffeln, zeigte ebenfalls Präsenz auf der ARTe Wiesbaden. Seine Löffelbilder, diesmal etwas kleiner als gewohnt, reihten sich gut ein in die neueste Serie, in der sich der Lichtkünstler mit Instrumenten auseinandersetzt. Die Patina über einer beleuchteten Trompete, oder einer Violine mit Bogen, verliert an Bedeutung, wenn sie im Glanze der Energie-sparenden LEDBeleuchtung erstrahlt. Was Licht in der Kunst ausmacht, wird bei dem Österreicher Künstler immer wieder aufs Neue klar und seine Präsenz auf den Messen für EntdeckerKunst zeigt seine Rastlosigkeit und Energie. Auch an Witz fehlt es dem jungen Künstler nicht, der sich nicht zu schade ist, sich für ein Foto in ungewöhnlicher Pose selbst zu inszenieren.

Matthias Kretschmer

Ilse Heffler

Blau sind die Werke der Künstlerin Ilse Heffler seit einiger Zeit. Auf der ARTe Wiesbaden präsentierte sie Werke aus ihrer Blue Line und Arbeiten aus der Serie Body and Face. Die Bedeutung von Blau in der Kunst wird oft diskutiert und beschrieben. Die Farbe Blau übt eine unglaubliche Kraft auf den Betrachter aus. An dieser Stelle muss aufgerufen werden sich Gedanken über die Farbe Blau zu machen. Blau! Was man betrachtet sind nicht nur Motive. Man assoziiert. Man kann Verknüpfungen erstellen zum Blauen Planeten, zur Athmosphäre, zu einer Erde, die in Gefahr ist, und um die sich jeder Einzelne sorgen sollte. Die Venezianischen Masken, als Sinnbild für jede Masquerade, nehmen uns mit auf einen Maskenball, bei dem man nie weiß, wer sich gerade hinter welcher Maske verbirgt. Man taucht ein in ein unbekanntes Universum und darf seiner Fantasie einfach freien Lauf lassen.

Ramona Leiss

Ramona Leiss Jugendlich, frech, witzig, farbstark! So kann man die Kunst von Ramona Leiss zusammenfassen. Die großformatigen Pictogramme und informellen Werke haben alle eins gemeinsam: Es sind echte Hingucker. Man spürt die Lebensfreude darin. Wenn man lebensbejahende Kunst als Inspiration für das eigene Dasein sucht ist man bei Ramona Leiss genau richtig.

Susanne Lyoubi-Burk

Fast meint man, man stünde in der Zwischenwelt, umgeben von Lichtwesen und Engeln, wenn man in die Fotografie von Susanne Lyoubi-Burk eintaucht. Gesichter, exakte Proportionen und Realität
verlieren ihren Wert. Man verharrt vor der Essenz der Existenz. Bewegung und Spirit, die Flüchtigkeit des Seins und nichts Fassbares. Man möchte schließlich einfach nur loslassen.

A.M. Flaig

Die Essenz des Lebens ist auch in den Werken von A. M. Flaig zu erkennen. Vertreten durch die HLP Galerie aus Wesseling zeigt Flaig wo alles beginnt. Welche Arbeit dahinter steckt Pusteblumen zu präparieren, so dass ihre Samen für die Ewigkeit konserviert werden, kann man sich kaum ausmalen. Man stelle sich vor, man würde versuchen eine Pusteblume zu präparieren, ohne ihr zu schaden… Flaig schafft es, ohne, dass dieses filigrane Wunderwerk auseinanderfällt. WIE? Das bleibt ein Geheimnis.

Milanda de Mont

Die Kunst der Mainzer Malerin Milanda de Mont ist expressiv. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde, der Ausdruck aus einem Gefühl heraus, Emotionen und Vielschichtigkeit sind in jedem ihrer Werke abstrakt spürbar. Auf der ARTe präsentiert sie eine mutige bunte Mischung, vielfältig und ausdrucksstark, so dass es für jeden Geschmack etwas zu entdecken gibt.

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