Crelala unterwegs auf der ARTMUC 2018

Man ist geneigt vorbeizueilen, dann schaut man genauer hin und stutzt. Etwas ist anders. Nicht nur ein Kreis, nicht nur sich wiederholende Muster, kein Mandala, … noch ein, zwei Schritte darauf zu und dann offenbart sich das Werk von Matthias Kretschmer…. Löffelkreise!!!! …. Alltag für die Wand, so einfach, so genial, unverwechselbar…

Messer, Gabel, Schere Licht, sind für kleine Kinder nicht, Löffel aber wohl! - Das Kind in sich erinnert an das Ordnen von Dingen... beruhigend, meditativ …. Die Macht konzentrischer Kreise … Perfektion und Geschlossenheit,

Matthias Kretschmer setzt noch einen drauf, LED-Beleuchtung in verschiedenen Farben und die Kunst bekommt einen ganz anderen Ausdruck. Man taucht ein, lässt sich treiben und empfindet... .

Licht, das neue Stilmittel in der Kunst, Kretschmer hat es perfekt mit seinen Werken kombiniert und diese werden dadurch noch aufregender. - Die Frage danach, was Kunst kann, wird bei Matthias Kretschmer beantwortet: Kunst kann noch immer in Staunen versetzen und faszinieren.

Neues zu entdecken, ein Lächeln heraufzubeschwören, sich weit weg vom Hier und Jetzt zu bewegen und einfach nur zu schauen, das vermag Kunst.



Der preisgekrönte österreichische Künstler Matthias Kretschmer, der auch für seine Performance-Art bekannt ist, hat es geschafft. Einen Kretschmer zu besitzen könnte sich als vielversprechende Investition herausstellen. Ein Blickfang sind seine Werke allemal.

Die Welt ist schnelllebig, Mensch hat für nichts mehr Zeit, will sich auch keine nehmen, bunt, schrill, skizziert, … in diesem Sinne malt NEO. Pop Art, Street Art, Urban Art, ... seine Influencer. Mit Lack und Öl darf das Werk nicht mehr als zwei Stunden brauchen, dann muss es fertig sein! Vor dem Ergebnis darf man innehalten und sich fragen, ob es genial, oder schnell hingeschmiert ist. Oder eben genial, weil schnell hingeschmiert, expressiv, aus einem künstlerischen Impuls heraus, ohne lang nachzudenken.

Wer NEOs Kunst infrage stellen möchte, sollte das „Hin-Schmieren“ erst einmal selbst versuchen. - Aus einem Guss ein Werk in kürzester Zeit zu erschaffen, Gesichter in Windeseile zum Leben zu erwecken, einem kreativen Ausbruch folgend, dann noch Akzente in Rosa, wie beispielsweise einen Heiligenschein auf scheinbar altbekannten, eigentlich aber nur idealisierten Gesichtern, zu setzen, und dem Ganzen schließlich ein überdimensionales NEO als Signatur zu verpassen… BESONDERS! - NEO!!! Mehr ist nicht zu sagen! >>> Abstecher

Auch Mario Sprinz sollte man sich merken. Im Stil der Neuen Wilden der Frühen 1980er Jahre arbeitend, sind seine neoexpressionistischen Portraits ein echter Hingucker. Famous Heroes sind die aktuellsten Werke des studierten Künstlers und Dpl.-Designers.

Was im ersten Moment aussieht wie Abstrakte Kunst ohne erkennbare Form, offenbart sich auf den zweiten Blick als raffinierte Komposition aus auf die Leinwand gebannten, skizzierten Menschen.

Wenn man sich die Zeit nimmt und auf Silvia Strobos´ Werke einlässt, kann man in die Masse eintauchen und auf Entdeckungsreise gehen. Man erkennt einzelne Figuren, Paare, Liebende, Menschen, die interagieren… und man verliert sich in den Werken. Von Ferne betrachtet sieht man die Masse, je stärker man fokussiert, je näher man tritt, je mehr man seinen Geist einengt, umso klarer wird, was Silvia Strobos geschaffen hat.

Plötzlich bekommt das Individuum eine Bedeutung. Ohne den Einzelnen kann man das Gesamte nicht betrachten. Die Summe der Details ergeben das Bild; das Kunstwerk. Wie das Universum. Die Summe der einzelnen Teilchen, ganz gleich, wie weit sie auseinanderliegen, ergeben das Ganze und der Betrachter kann erahnen, was die großen Zusammenhänge ausmacht.

Die großen Zusammenhänge vergisst man auch manchmal, wenn man die Menschen "en detail" betrachtet. Was macht einen Menschen aus? Nur Gesicht und Körper? In einer Zeit von Botox und Schönheitschirurgie verlieren wir mehr und mehr den Blick fürs Detail. Den Blick für Mimik und Gestik und die Bedeutung von Hand und Fuß! - Etwas hat "Hand und Fuß", das heißt dann ist es komplett, es ist ganz und vollständig und voller Bedeutung!

Wie wichtig Hände und Füße sind vergisst man so oft. Was wäre also der Mensch ohne Hände und Füße?

Die Kunst greift immer wieder das Gesicht als Thema auf, verzerrt es, idealisiert es, abstrahiert es und beschäftigt sich mit dem Ausdruck des Menschen durch sein Gesicht. Als könne das Antlitz allein etwas über den Charakter aussagen. Was wäre der Mensch aber ohne Hände und Füße? Und da setzt die Arbeit des Künstlers und Bildhauers Tim David Trillsam an.

Hände und Füße sind überdimensioniert und die entstehenden Gestalten wirken deformiert und gestört, aber genau das macht sie so einzigartig. Trillsam sieht die Perfektion in den Details, die vernachlässigt scheinen. Troll-artige Wesen erinnern daran, dass Mensch mehr ist als ein hübsches Gesicht, oder die perfekte Proportion aller Gliedmaßen. Selbst ein proportianal entstellter Körper vermag Großes zu sein.

Vielleicht ist es genau das, was Trillsam beabsichtigt. Den Betrachter zum Grübeln zu bringen, was wirklich wichtig ist. Stelle man sich nur einmal vor, was wäre wenn ...

Ja was wäre wenn…. Wenn das Antlitz keine Rolle mehr spielte? Auch Monteiro Hasse hat dem idealisiert Schönen abgeschworen und setzt sein Gefühl bei Begegnungen in Szene. Was dem Betrachter im ersten Moment krud und hässlich erscheint, offenbart bei genauerer Betrachtung eine andere, ja möglicherweise schöne Wirklichkeit.

Monteiro Hasse hat seine Motive aus der Ferne mitgebracht. Lange auf Reisen vergibt er seinen Begegnungen einen Trance-ähnlichen Zustand und lässt sie auf den Betrachter wirken. Vielleicht abgeschreckt, vielleicht aber auch fasziniert betrachtet man Hasses Werke und beginnt zu grübeln. Was will der Künstler? Warum diese Ausdrucksform.

Anonymität ist das große Stichwort des Hier und Jetzt in einer digital offenen Welt. Orwells 1984 wird mehr und mehr real. Der öffentliche Raum ist längst überwacht und man kann als Individuum kaum noch unbeobachtet durch den Tag schreiten. Wie kann man dabei noch unerkannt bleiben?

Auch Christian Boehmer stellt sich seit Jahren diese Frage wieder, und immer wieder. Bekannten Größen und Models setzt er Tüten auf den Kopf und gibt ihnen damit, wonach sie sich sehnen: Anonymität.


Christian Böhmer, auch bekannt als Mr. Trash, hat die Papiertüte zum Idol erhoben.

 
Wollte man früher noch berühmt werden, will man heute, wenn berühmt, im Alltag anonym sein und seine Fehlbarkeit und Lasterhaftigkeit nicht ertappt wissen. - Immer schwieriger in Zeiten von Smartphones und der ewig möglichen, optischen Abbildbarkeit. - Boehmers Tüten indes offenbaren nichts! Jeder könnte das Motiv gewesen sein.

Endlich wieder anonym!