Vom Auge in die Hand

Vom Auge in die Hand                      von Cornelia Zarth
 
So der Titel eines von mir seit vielen Jahren angebotenen Zeichen-Workshops
und zugleich die Beschreibung einer anderen, der künstlerischen Art des Sehens,
der Sehweise, die Grundlage ist für alle künstlerische Arbeit, die naturalistische Wiedergabe zum Ziel und Inhalt hat.
Die darüber hinaus aber auch zur Entspannung führt.
 
Die Übungen basieren auf den Grundlagen der modernen Hirnforschung, die seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts wichtige Erkenntnisse gewonnen hat:
Danach sind jeder menschlichen Fähigkeit spezielle Bereiche des Gehirns zugeordnet.
Vereinfacht dargestellt sind in der linken Hirnhälfte unsere rationalen, logischen, sprachlichen Fähigkeiten lokalisiert.
Die rechte Hirnhälfte ist zuständig für die ganzheitliche, sinnliche Wahrnehmung der Welt, das Denken in Bildern, dem Vernetzen von Eindrücken, Gefühle etc.

Den gesellschaftlichen Anforderungen gemäß ist jedoch seit einigen Jahren meist schon die Schulausbildung einseitig auf die Entwicklung logisch-rationaler Fähigkeiten ausgelegt. Die rechte Hirnhälfte meist unterentwickelt.
Der permanente Umgang mit Computer und Smartphone ist in diesem Zusammenhang an erster Stelle zu nennen.
Die Fülle und Schnelligkeit mit der Informationen hierbei das menschliche Gehirn überfluten, führen zu einer Dauerreizung, die vom Menschen als Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, im schlimmsten Fall als Abhängigkeit erfahren wird.
Eine entspannte Wahrnehmung der Welt ist vielen heutzutage nur noch in Ausnahmesituationen möglich, die bewusst geschaffen werden müssen:
sie besuchen Yogakurse, meditieren, wandern etc.
Auf diese Weise „trainieren“ sie die Bereiche des Gehirns, die der ganzheitlichen Wahrnehmung der Welt dienen, eben die rechte Hirnhälfte - und entspannen dabei.

Wie bei diesen Tätigkeiten Entschleunigung und Konzentration zu finden und gleichzeitig kreativ tätig zu sein -
diese Erfahrung bietet der Zeichenworkshop!
Mit Übungen, bei denen das Gesehene zeitgleich in Zeichnung übertragen wird:
vom Auge in die Hand.
 
Inhalt und Ziel der Übungen im Workshop sind nämlich, die rechte Hirnhälfte anzusteuern, einzuschalten, das Umschalten von Links nach Rechts.
Erkennbar und erlebbar beim Übenden am Flow-Effekt: der kreative, rechte Hirnbereich ist aktiv!
Flow = Entspannung bei gleichzeitig höchster Konzentration
Dieser Zustand ist meist schon nach wenigen Übungsminuten erreicht: erkennbar am plötzlich eintretenden Schweigen der Teilnehmer.
Denn: dem kreativen Hirnbereich fehlen die Worte!
Zeichnungen entstehen, die all das zeigen, was die ZeichnerInnen an ihrem „Modell“ entdecken, sehen: kleinste Furchen einer Rinde, zarte Adern eines Blattes, die Webstruktur eines Küchenhandtuchs, die feinen Fältchen auf dem Handrücken, die Linien einer Landschaft…
 
Das Fundament für vielfältige Wahrnehmungen unserer Welt ist so gegeben.
Je nach Wunsch kann der so Sehende darauf weitere künstlerische Techniken, Fertigkeiten aufbauen: naturalistisches Zeichnen mit verschiedenen Materialien ebenso wie das Malen und das plastische Gestalten.
 
Spannende Erfahrung seit Jahren auch immer wieder für mich als Anleitende der Übungen:
allen Altersklassen ist diese Art des Sehens, Wahrnehmens möglich.
Erwachsene und Jugendliche können es (wieder)erlernen und gleichzeitig beim spielerischen Tun vom Alltag abschalten.
Kinder können im Alter von ca.8-10 Jahren bei ihrer natürlichen Entwicklung unterstützt werden:
Sie machen zu diesem Zeitpunkt eine „realistische Phase“ durch, wollen das Gesehene möglichst naturalistisch wiedergeben.
Objekte, Mensch, Geschehnisse – mit Hilfe des Zeichnens / Malens machen sie die Welt für sich begreifbar, verständlich.
Setzt hier der Zeichenunterricht ein, so können unabhängig von Talent große Fertigkeiten in der realistischen Darstellung erlangt werden und als Basis für weiteres künstlerisches Tun genutzt werden:
Die rechte Hirnhälfte wird geübt, Konzentration fällt leichter, das Selbstwertgefühl wird gestärkt.
Auch hochsensible Menschen, die mehr als andere das Abtauchen aus dem Alltag brauchen, um ihre innere Balance zu wahren, finden bei Anwendung dieser Seh- und Zeichentechnik eine gute Möglichkeit der Entspannung.
 
Sie alle sind somit gleichermaßen eingeladen, sich auf das Experiment des Workshops einzulassen:
Gehen Sie mit den Augen spazieren – und eine neue Welt eröffnet sich!
 
Cornelia Zarth

 

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