64625 Bensheim

ART COLOGNE 2021 – Nachklapp II - Oder: Was von einer Messe übrig bleibt.

ART COLOGNE 2021 – Nachklapp II - Oder: Was von einer Messe übrig bleibt.

Kreuzungen, Wirrungen, Raumgebung und die Sucht nach erweitertem FINDEN!

Milen Till, (CRONE, Vienna, Berlin*) Zollstöcke, und eine Arbeit Schwarzes Quadrat im weißen Rahmen, passend dazu der Titel „Das Schwarze Quadrat“ (Kasimir Malewitsch) (2021**).

Dass mit Zollstöcken gearbeitet wurde erkennt man aus Entfernung nicht. Erst wenn man genauer hinschaut erkennt man. Und wird neugierig. Neugierig, weil man etwas entdeckt hat, das man als besonders empfindet. Und die Neugier führt weiter. Weckt Interesse und man will wissen. Mehr wissen. Die Ideen dahinter kennenlernen. Wissen, wer dahinter steckt. Und die Suche beginnt. Das Netz hält zahlreiche Texte bereit und lädt ein in das Leben des Unbekannten einzutauchen.

Bei „Composition with Lines“ (Piet Mondrian) (2021**), erkennt man den Ursprung der Idee vielleicht erst, wenn man sich mit der Kunst Mondrians näher befasst hat. Dann darf man die Überlegung anstellen ist Milen Tills Arbeit nun eine Hommage, oder eine Schmäh? Darf man als Kunstbetrachtender zugeben, wenn man nicht sofort die Querverweise realisiert, die Inspirationswecker erkennt oder nach der künstlerischen Aussage sucht?

Die eigenen Gedanken zu formulieren wäre ein Leichtes, doch dann ist da ja noch das Netz. Bevor man den Holzweg tiefer ins Eigengedankenchaos geht, nimmt man zur Kenntnis, was das Netz noch bereithält. Tiefergehendes und Weitreichenderes. Möglicherweise Erhellendes. Man muss nichts Neues hinzufügen. Die eigenen Gedanken decken sich mit einer Überschrift im Netz. „Das Maß aller Dinge“. Was wäre passender, als dazu mit Stäben voll von laufender Maßeinheit zu arbeiten.

Der Planet, oder die Idee eines Planeten, aus schwarzen Zahlen-Fragmenten, teilweise gekreuzt, raumformende Gitterpunkte zur Erarbeitung einer optischen Illusion, Milen Tills Neuwerk von Mondrians Altarbeit gefällt. Bzw. die Arbeit gefällt.

Ein Zollstock, ist ein Zollstock, ist ein Zollstock.

?

Hier nicht. Hier wird das maßgebende Instrument zur Grundeinheit von Größerem und man steht am Beginn von … ja was eigentlich? – Mathematik? Mit deren Hilfe man physikalische Phänomene erklären kann, sofern man weit ausholt, um Milen Tills Kunst zu interpretieren? Gott sei Dank gibt es das NETZ. Man wird finden und entdecken, muss dann abwägen und die Wahrheit suchen. Vielleicht ist das genau die Aussage hinter der Arbeit. Die Gelegenheit zu fragen hat man nicht.

MILEN TILL. Jahrgang 1984. So steht es geschrieben. Irgendwo in den Untiefen des Netzes. Milen Till, den Namen will man sich merken.

Marian Bijlengas „Universum“ (Kellermann, Düsseldorf) (2018**)

Eine Unikat-Wandinstallation aus vernetzten Textil-Gitterpunkten aus Pferdehaar und Garn, ebenso die „Chinese Dots“ (2018**).

Wer das Spiel von Licht und Schatten liebt, etwas Einmaliges sucht, das niemand sonst sein Eigen nennen kann, der ist bei den Werken Bijlengas genau richtig. Die Idee eine Vernetzung von Gitterpunkten, aus einzelnen Pferdehaar-Dots, an eine Wand gesteckt, zu präsentieren, muss über einen sehr eigensinnigen Humor verfügen. Oder tiefere philosophische Einsichten, die man noch nicht gleich erkennt. Das Wesen der Vernetzung ist sehr gut nachvollziehbar und die Schatten deuten auf Tiefe hin, der man besser nicht nachspüren will.

Die Dots versucht man einzusortieren, sucht eine passende Schublade, zum Ablegen, man denkt an Corona-Viren, an Positionsangaben von Freunden bei Spotify, oder tatsächlich an einzelne Elementarteilchen im großen Ganzen, mit der zugehörigen „Dark Matter“. Und wieder nimmt man hauptsächlich den Eindruck mit, denn die Zeit drängt und es gibt noch so viel mehr zu sehen. Das Netz ist geduldig. Man wird eventuell später finden, was man als Erklärung sucht. Und falls nicht, hat man vielleicht einfach noch nicht die richtige Frage gefunden.

Wieder Gitterpunkte werden auch von Ding Yi ausgestellt. Seine „appearance of crosses“ auf Papier (2018**) (2019**) (Karsten Greve, Köln, St. Moritz, Paris) sind Teile eines Schaffensprozesses, in dem er sich schon lange mit den Zeichen Kreuz und Plus, ohne semantische Bedeutung, auseinandersetzt. Vor allem bei einem Großformat der Größe 240 x240 cm auf Holz kommen einem Assoziationen, die man nicht zu Ende denken will.

Verliebt in die Arbeiten auf Papier denkt man trotzdem und will fündig werden. Will Antworten auf unzählige Fragen. Will wissen, wer hinter den Kreuzen steht, will wissen was die Kreuze bedeuten und weiß, man wird dem nachhaltigen Arbeiten auf Papier nicht nachhaltig in den Untiefen der Bits und Bites nachspüren und sich auf die Suche machen. Man wird seinen CO2 -Fußabdruck vergrößern und der Kunst online mehr Raum und Tiefe geben. Künstler wie Ding Yi haben es verdient gekannt und beachtet zu werden. Die Galerie Karsten Greve zeigt einen bedeutenden Künstler, von dem man vielleicht genau deswegen angezogen wurde, weil die akribische Arbeit auf Papier etwas vermittelt, das zunehmend in der schnelllebigen Neuzeit abhanden kommt: Konzentration, Ruhe, und das „Sich Verlieren im Tun dessen, was man tut“.

Bleibt man bei der Idee von „Gitter“ ist einem eine Art Käfig im Gedächtnis. Ulrich Geberts lädt ein den Käfig zu betreten und präsentiert die Serie „Eigenface“ (2021**) (KLEMM´s, Berlin). Selfies im Labor? Ein Gesicht eines Menschenaffen neben einem aus dem Kreuzungspunkt heraustretenden Kopf. Wer spielt hier welche Rolle? Der Titel der Serie entführt in die virtuellen Möglichkeiten. Weiße Gitterlinien erschaffen ein Gesicht aus dem Schwarz. Modellieren einen Kopf aus dem Nichts heraus.

Der Kreuzungspunkt, entstanden durch die Kreuzung von weißen Linien aus vielleicht Lichtteilchen, die beschleunigt durch den Raum jagen, am Anfang, oder Ende, in Wellen übergehende Linien.

In welcher Richtung bewegt sich der Puls, bzw. die Pulse? Bedeutungslos? Immerzu will man eine Bedeutung geben, will interpretieren, die Erläuterung ist nicht greifbar, der Künstler nicht in der Nähe. Keiner da, der das Gesamtkunstwerk erklärt, jetzt, da man sich darauf einlässt. Im Nachgang. Es bleibt ein tiefer Eindruck. Man wird das Netz bemühen. Glasfaserbeschleunigte Daten suchen, welche die gesuchte Lösung zum Rätsel bringen.

Des Rätsels Lösung? Bis dahin bleibt die Erinnerung an den Namen Ulrich Gebert.

Ulrich Gebert und ein „Raumgekrümmtes Eigenface, ganz in schwarz“. Wahrscheinlich untauglich für facebook. Trotz Gesichtsvermessung und Gitterpunkten. So untauglich, wie ein altes Klassenfoto mit Kindern ohne Gesicht.

Ein Kinderfoto mit Gesichtern ohne Gesicht. Faces without face! Die Kleidung lässt auf ein Gemälde einer nachcolorierten Fotografie aus sehr weiter Vergangenheit schließen. Lange weiße Kniestrümpfe. Trägt man die heute noch? Hierzulande nicht. Mehr muss man nicht wissen. Will man nicht wissen. Die Idee der Gesichtslosigkeit ist was bleibt.

Vielleicht gut so.

Obwohl …

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