64625 Bensheim

Art Karlsruhe 08-10.07.2022

ART Karlsruhe, die Neunzehnte, NACH dem Neustart für Kultur und Medien

Aus Homer Simpson wird ein allbekannter Dichter mit Bart, man hat ihn schon irgendwo gesehen, glaubt ihn zu erkennen, den anderen Homer, und auf dem Monitor verliert das Original an Bedeutung. Die allgemein gebildeten wissen wer Homer (Simpson) ist, wissen wer ihn gemalt hat (glauben es zumindest, denn wer war wirklich selbst dabei?) wissen wo er lebt. Nein, nicht er selbst natürlich. Nur das Bild von ihm. Das Abbild. Die Karikatur. Wer eigentlich ist Homer (Simpson)? Gibt es ihn wirklich? Oder ist er nur die Vorstellung einer Typisierung aus der Fantasie eines kreativen Geistes?

Was auch immer heute digital erfasst wird, wie beständig ist die digitale Erfassung? Wie sicher vor Veränderung?

Der Rechner rechnet und stellt Abbilder dar. Abbilder des Augenblicks. Wie nah kommt es dabei an die Wirklichkeit heran? Und was, wenn die Datei überarbeitet wird? Verändert? Die Rohdatei dann gelöscht? Oder überspeichert? Die digitale Wirklichkeit stellt so manch einen vor scheinbar unlösbare Aufgaben. Digitale Problemstellungen. Digitale Forschung und Erforschung der Digitalität ist heute wichtiger denn je. Automatisierung der Abläufe in technischen Bereichen ist seit Einführung des Fließbandes vor über hundert Jahren inzwischen so weit vorangeschritten und hat sich in nahezu alle Lebenswelten ausgebreitet, dass vielleicht der Umbruch zum Zeitpunkt „JETZT“ nicht erst seit gestern eine zwingende Notwendigkeit ist.

Die Grenzen zu erkennen, ab wann man die Kontrolle zu verlieren droht, ist die größte und schwerste Aufgabe des Hier und Jetzt.

Are you ready for NFT?

Wie funktioniert das mit den digitalen Bildern? Wer macht sich Gedanken darüber? Wer kennt sich aus? Wen kann man fragen?

Are you ready for NFT? So steht es an einer Ausstellungswand der Galerie Heitsch geschrieben, gleich nach Eintritt in die Messehalle, quasi als Auftakt zur 19. ART KARLSRUHE (2022). Mit Stefan Faas`faszinierend lichtspielenden Spiegel-Stahl-Skulpturen, Marco Casentinis Acryl auf Dibond Werken, farbig-faszinierend-flächenüberlagernden Quadraten, und einer Menge Tablets und Smartscreens, hochkant gehangen, mit statischen „Stills“ führt die Galerie Heitsch einen direkt ein in die nicht mehr ganz so neuen Fragestellungen der digitalen Gegenwart.

Überall auf der Messe findet man Monitore und Tablets, und Galeristen arbeiten an ihren Tablets oder Laptops oder sind sozial-medial an ihren Smartphones beschäftigt. Manchmal bleiben Menschen interessiert vor Werken stehen und fotografieren smart, um die Werke in die digitale Unendlichkeit zu tragen. Wie viele Werke schaffen es in all der Vielfalt in den digitalen Kosmos? Welche Werke sind so interessant, dass sie ohne jeglichen „Vorab-Support“ allein durch die Fähigkeit Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, eine Wertsteigerung erfahren, allein, weil man sie nicht übersieht?

Die Galeristen reagieren auf Fragen gern mit weiteren Ansichten am Laptop und zurück vor den real greifbaren Werken versteht man vielleicht besser, weil man die Arbeiten im Kontext sieht. Sie als Teil einer Künstlerexistenz wahrnimmt, oder als Teil eines künstlerischen Statements, das umfassender ist, als der Bruchteil dessen, was man auf der Messe sieht.

„Whispering Works!“ So könnte man sie nennen, die Kunstwerke, die nachhallen und deren Bilder im Kopf bleiben, weil einzigartig. Erkennt man, nein, würde man erkennen, ob man einer Reproduktion ins Antlitz schaut? Einer Kopie? Kann man den Geist des Urhebers erspüren? Metaphysisch quasi? Oder ist Metaphysik nur eine Idee? Eine in Wort gefasste „Spinnerei“? Ist Metaphysisches auch über digitale Abbilder erfassbar? Digital messbar?

Druckwerke und Graphiken können Kunst so gut reproduzieren, dass ein Unterscheiden vom Original, so es das überhaupt gibt, und das Abbild nicht einfach nur eine genial computerbearbeitete Leistung kreativer Arbeit ist, kaum noch möglich ist. Wer hat den Blick dafür was echt ist und was „FAKE“?

Zahlreiche Skulpturen auf der ART Karlsruhe bestechen im Kontext mit den sie umgebenden Arbeiten. Spiegelnde Glas- und Metallarbeiten reflektieren das Licht, spielen mit den Reflexionen, tanzen mit den Vorbeigehenden, wünschen Aufmerksamkeit und „schreien“ geradezu nach Beachtung. Die Sammler wissen genau wonach sie suchen, übersehen dabei aber vielleicht das ein oder andere, was denkwürdig dasteht oder hängt und warnend, mahnend, den Fokussierten verborgen bleibt.

Kunst kämpft ums Überleben und dem ein oder anderen steht es ins Gesicht geschrieben, dass sich etwas verändert hat. Noch immer verändert.

Der Neustart Kultur ist ein Hoffnungsschimmer auf ein Wachrütteln ALLER.

Man findet die großen Namen wie Christo, Uecker, Richter, … Miro, Matisse, … asiatische Positionen sind vertreten, man erkennt Kwang Sung Parks düstere, verschwimmenden „Wirklichkeiten“ und „stolpert“ quasi in der Presseankündigung über den Namen Ambra Durante. Man spürt ihren Werken digital nach. Ein junger Mensch in einer chaotischen Zeit, der versucht Ordnung in das Chaos des Informationsüberfluteten Denkens zu bringen. Von Daniel Kehlmann bewundert und von der Galerie Friese gefördert, so steht es in der Presseankündigung der Messe, zeigt die Künstlerin und Autorin der preisgekrönten Graphic Novel „Black Box Blue“ ihre Sicht auf eine scheinbar sinnentleerte Gegenwart unter einem düsteren Zeitgeist, der sich verloren fühlt. In einem Podcast des SWR2 „Aus der Balance“ erklärt sie, wie sich ein „unordentlicher“ Geist zu ORDNUNG formieren will. Bildstarke Worte repräsentieren Gefühlswelten, die sich nur schwer erklären lassen. Eine Einundzwanzigjährige, ein junge Frau auf dem Sprungbrett ins Werden, am Rande des Gleitens in die Zukunft, versucht ihre Position zu finden in dieser Welt. Einer Welt voller Chaos, die neue Ausdruckswege braucht und neue Formen der Kommunikation, in einer total digital durchwirkten Zeit voller Inhalte aus unzähligen Angeboten, in einer Welt der sozialen, manchmal asozialen, sozial-asozialen, oder asozial-sozialen, oder einfach NUR Medien.

„Offline“ geht es vielleicht durch den Sinn. Sich in ein Blatt ergießen, in irgendeinen Untergrund, der herhalten muss, weil raus will, was raus soll, oder raus soll, was raus will, weil sonst gerade kein Medium zur Hand ist, also tut es am Ende jedes Medium. Bevor man keine Luft mehr bekommt und erstickt, an den eigenen Ideen, fremden Inspirationen, Impulsen aus allen Richtungen, … Gedanken, Träumen, Gefühlen.

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