CRELALA Kunst - Unikate versandkostenfrei bestellen!

 64625 Bensheim

ARTe Wiesbaden 09/2021

CRELALA Kunst unterwegs auf der 3. Kunstmesse der ARTe Wiesbaden 09/2021

Eine Sprache der Welt - Kunst -

Alle Sprachen der Welt sind längst geschrieben mag man denken. Mag sich einbilden man hätte alles längst gesehen. Dann steht man vor einem Kunstwerk und ist „geflasht“. Mit der Kraft der Kunst kann man ohne viele Worte Grenzen überwinden und die Welt verändern.

Mit Beginn der Pandemie wurde der Kunstbetrieb fast vollständig lahmgelegt und es blieb gespenstische Leere. Die Leere wird wieder gefüllt.


Aus dem scheinbaren Nichts brechen sie heraus, die Pferde. Die „Wild Horses“, geboren aus Meerschaum. Ein Bild aus Kindertagen taucht auf. Das Bild des letzten Einhorns. Und dann eine unüberschaubare Menge an Einhörnern, die schlussendlich alle überlebt haben. Dann ein Löwe, ein Stier, The „Red Kite“, ... und Heike Lin Triebel reißt uns mit. Wie schon auf früheren Ausstellungen, reißt sie ein weiteres Mal mit. Wir haben sie sofort wiedererkannt in ihren paradiesischen Farben und die Antwort auf „Warum. Kunst“ ist gegeben. Sie berührt.

Auch Buja berührt. Der junge Künstler, dem wir seit dem ersten Werk verfallen sind, weil er R2D2 in den Armen der Madonna hat zu Grabe tragen lassen. Und Mona Lisa hat er zur Gefangenen des Louvre erklärt. Auf einem neuen Kunstwerk, einer Experimentierfläche wie er selbst sagt, entstanden während der Pandemie, hat er in Übergröße wieder Denkwürdiges hinterlassen. Ein MEGA Machwerk. Ein neues Meisterwerk des jungen Künstlers, der erklärt, er möchte regional wachsen. Langsam. Nicht zu schnell, denn es gibt zu viel zu Hause, das hält. Den gleichen Satz hat man schon einmal gehört. Das war auf der anderen Seite der Welt. Und genau dort könnte man ihn auch sehen. Buja sieht man auf der internationalen Bühne. Sein Werk, ein Porträt einer jugendlichen Schönheit neben alten Berühmtheiten und Gesichtern, die man kennt. Wie ein Blick hinter das Glas. Man erinnert sich an Georg Pummer, doch hier ist es nichts Digitales. Keine Glitches.

Hier ist es Urbanes. Ein Graffity, alte Wandgemälde oder Plakate, die Schichten noch sichtbar. Das Papier der Plakate von Wind und Wetter zu Pappen versteift, BUJA reißt ein, schafft analoge Bildstörungen, wie aus einer längst vergangenen Zeit. Ohne Flimmern. Aber doch mit Störungen. Rissen und Fehlern. Er perfektioniert das Imperfekte. Deckt auf die Schichten. Wie beim Häuten einer Zwiebel. Schichten und Vielschichtigkeit, darum geht es in der Kunst. Unter anderem. Denkt man an Kunst kommt man nicht an Städten wie Paris oder New York vorbei, man blickt nicht sofort in die anderen Himmelsrichtungen, aber spätestens seit der Pandemie hat man erkannt, es gibt einen Aufbruch in neue Sphären. Vielleicht einen Richtungswechsel.

Die alten Helden verblassen. Namen werden immer häufiger in Frage gestellt. Dabei ist es gut sie zu kennen und sich an sie zu erinnern. Gut zu wissen, wer die Wurzeln in den Stilrichtungen legte. Wer. Und vor allem: WANN? Geschichte mischt sich in die Kunst. Und Politik. Absicht?

Shepherds Garden steht für Corporate Art und Design und ist für alle, die an großen Marken hängen ein MUSS.

Das Thema Marke wird beleuchtet und man darf den Dialog führen. Was wirkt als wäre der Lack ab, die Hochglanzfassade verblasst, oder zerkrazt, ist wie ein stiller Hilferuf der alten Welt. Es bringt zu den Gedanken, dass Marken nicht nur wertgeschätzt werden sollen und einen Wert haben dürfen, sie werden vielleicht sogar gebraucht. 

Es gibt Viele, die halten dagegen. Mit Argumenten der Wertschätzung von Arbeit oder Arbeiter, von Hersteller oder Konsument.

Die Verführung der Jugend durch Marken ist längst von denen thematisiert, die sich keine Marken leisten können. Die Schere zwischen arm und reich hat zu einer Schieflage der Systeme geführt. Die neue Zeit soll besser werden. Ist es längst, wenn man die Zahlen in der Welt betrachtet. 

Man denkt um. Nachhaltigkeit ist das Thema. Plastik ist das Thema. Plastikvermeidung und ein Weniger sind das Thema. Hand Crafts sind das Thema. Und dann ist man wieder bei den Marken. Marken, die einmal genau damit begonnen haben. Mit Stil! - Stil, Design und Handarbeit. 

Dem Höher- Schneller - Weiter und der Ausbeutung von Mensch und Natur wurde mit CORONA ein Stopp gesetzt.  Ganz im Sinne der kreativen Geister, die zwiegespalten sind bei der Erschaffung ihrer Werke und ihrer Vermarktung. Mal nur für ein exklusives Publikum, zu dem so manch einer vielleicht gern gehören würde, oder für die Masse, der die Qualität auch nicht vorenthalten werden soll. - Nur: Zu welchem Preis?

Felix Haspel, unter anderem vertreten von Strassacker oder bei Textile Art Space in Hamburg gesehen, oder Dino Schäfer von Shepherds Garden, inspirieren dazu, wenn man der Fantasie genug Raum lässt, soweit zu denken.

Der kreative Geist von Marken-Designern folgt einem bestimmten Flow. Noch eine menschliche Besonderheit. Vielleicht. Wer weiß. Vielleicht sind die digitalen Systeme und robotics aber auch inzwischen soweit, dass sie auch den kreativen Part übernehmen können.  Danny Frede aus Köln hat Roboter-Staubsauger malen lassen und die Kunst für sich übernehmen lassen. Warum soll das nicht auch in anderen Bereichen funktionieren. Was der Betrachter am Ende als geniales Design empfindet ist nicht selten einfach Geschmacksache. Gigantische Datenhaufen teilen jeden einzelnen Menschen in ein gut überschaubares System ein, das vorhersehbar ist. BIG DATA kann Mensch kategorisieren. Die Algorithmen dazu hat er selbst programmiert und er forscht weiter und simuliert Szenarien in allen Bereichen. Ein Zurück wird es nicht geben. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung, und hier kommt das Geld ins Spiel. Und die Gewinner der vergangenen Jahrhunderte, die MEGA BRANDS stehen in der Verantwortung. In der Verantwortung mitzuhelfen. Shepherds Garden lenkt den Blick auf die Verantwortung der Großen für die Kleinen. Und ein Vordenken in die Zukunft ist gefordert. Kein Zurück, sondern ein Vor mit dem Besten aus der ganzen Welt. Mit den besten Werten aus der Welt. EINER Welt. - Einer Welt voller Pulse und Impulse und einer Welt mit einem Überschuss an Energie. 

ArsCubis mit Achim Großmann ist ein Highlight der Messe, und ein Großformat der Welt mit einem Kreise ziehenden Epizentrum asiatischer Werte, so interpretiert man das Werk in den Farben Gelb und Lila, lädt zum Grübeln ein.

Der Kubus ist in die Jahre gekommen. Würfel sind längst nichts neues mehr. Kubismus ist ein Thema der Kunst, das immer wieder inspiriert.

Würfel-Werke in der Kunst sind echte Hingucker, und für die Eingeweihten mehr als das. Bei ArsCubis wird am Tisch gezeigt, wie die Kuben gesetzt werden. Wie ein Schriftsetzer einst im Setzkasten seine Blei-Lettern setzte.

Dass Kuben sich auch hervorragend als Skulptur eignen zeigt auch ArsCubis. Die Besonderheit des Würfels, einer Urform der Mathematik, ohne die unsere Welt heute wahrscheinlich nicht so wäre wie sie ist.

Ein weiteres Highlight der ARTe Wiesbaden ist die Ausstellung der Edition Strassacker. Bronzekunst aus erster Hand, die jedes Skulpturliebhaberherz höher schlagen lässt. Auf dem Ausstellungskatalog das Leitmotiv des britischen Bildhauers und Skulpturisten Jamie Salmon, der fragmentierende Mensch mit dem Titel „Face to Face“, entdeckt man: Meisterwerke bringen es fertig, dass man bei ihrer Betrachtung die Zeit vergisst, weil man sich ganz dem Grübeln hingibt und der Vorstellung davon, was nur Fantasie und was tatsächlich möglich ist. 

Bronzen und Skulpturen sind aus dem Stadtbild bedeutender Städte nicht mehr wegzudenken. Bisweilen zieren sie auch als Accessoire die Zentralen wichtiger Global Player, wie zum Beispiel ARAMCO, für die Strassacker in Saudiarabien einen ganz eigenen „Clocktower“ gebaut hat. Kunst braucht Zeit! Das Werden braucht Zeit. Und die Edition Strassacker zeigt das besonders eindrucksvoll in der Präsentation der Bronzen. Wer von Strassacker entdeckt wird, hat es geschafft, so scheint es. 

Auch Horst Rettig , gleich neben den von Strassacker ausgestellten Skulpturen, hat Skulpturen der Extraklasse geschaffen. Eine Goldbronze eines tropfenförmigen Kokons, wie er sagt, ist nach eigener Aussage im Wormser Dom zu bestaunen. Fast läuft man daran vorbei. Würde das Gold nicht blinken und leuchten durch die Reflexion des Metalls im Licht. 

Auch die großformatigen Strukturarbeiten in den verschiedensten Farben sind besonders. Besondere, auf den ersten Eindruck hauptsächlich farbige Flächen, die Farbakzente in minimalistischen Räumen setzen. Vor allem das Blau ist tief und magisch. Königsblau! Aber das ist es ja immer. Die Werke „Goldacker“ aus der Serie Strukturkörper, erinnern daran, wie sich Korn im Wind wiegt und vielleicht das goldene Leuchten der Felder in der Erinnerung aus der Kindheit wieder hochkommt. Welches Kind hebt heute noch den Blick beim Anblick der Felder, welche die Landschaften prägen? Wer achtet heute noch auf das, was ihn am Leben hält? Goldenes Korn, still, lautlos, ohne Lärm, als einzig dem Wind. 

Horst Rettig ist einer der Künstler, deren Kunst uns unvergesslich bleiben wird. Eine Serie sich auflösender Köpfe in Anthrazit beweist die Feinfühligkeit des Künstlers. Eine Magie, die man mit spiritueller Gabe bezeichnen könnte, falls man einen Begriff verwenden möchte, der von so vielen als negativ besetzt wird, aber doch durchaus positiv gemeint ist. Er erklärt, dass die Inspiration nicht immer da ist, dass die Stimmung passend sein muss, und er dann beginnt zu arbeiten, wenn der Flow erst einmal in Gang gesetzt ist. Da ist er wieder, der Begriff Flow! Der Flow ist das „Fühlen können!“

Das „Fühlen können“ kennen wir schon von der Kunst der Milanda de Mont, die uns auf der ARTe Wiesbaden wiederbegegnet. Abstrakt, voller Leben und Energie. Wir sind jedesmal aufs Neue berührt, wenn wir ihren ausdrucksstarken, farbintensiven Bildern in Acryl gegenübertreten. Milanda de Mont ist eine besondere Künstlerin. Und dieses Mal bleiben wir am verlaufenden Schwarz hängen. Öl in Wasser, erklärt sie uns, und was für manch einen aussehen mag wie Flecken von Tusche oder Tinte auf nassem Papier, betrachten wir als wachsende Blüten. Und wir assoziieren, was wir jüngst draußen in der Natur beobachtet haben. Auf Blättern und Blüten, Gräsern oder Halmen. Natur wird lebendig.

Auch Eva Michielin hat sich der Natur verpflichtet. Samt und Federn, Schrift und Struktur. Die großformatigen Werke erinnern an Erdstrukturen und Luftbilder. Landschaftsaufnahmen von oben. Erdtöne und Krustenstrukturen, Experimente, die teilweise am Computer entstanden sind ziehen magisch an. Seit zwei Jahren hat die Künstlerin sich ganz der Kunst verschrieben. Es geht um Licht, um Leben, um Weiblichkeit und „Empowerment“, und nicht zuletzt um Liebe und Kommunikation. Man spürt die Schönheit von Existenz, die das Leben reicher macht. Sie hat einen ganz besonderen Blick, dem man gerne folgen mag und vor allem die ausgestellten Arbeiten als Diptychon, mit einer Seite aus monochromatisch abgestimmtem Samtwerk beeindrucken, auf dem mit Schablonen aufgerauhte Worte hinterlassen werden. Worte, wie Zitate, oder Lyrik, Worte, wie Liebeserklärungen, und manchmal mit besonderen Lettern, die gespiegelt werden und die man, wie auch bei Karina Laru-Nau, von rechts nach links lesen muss, um über den eigenen Horizont hinaus zu verstehen.

Karina Laru-Naú haben wir sofort erkannt. Spiegelverkehrte Schrift als Mahnmal und Manifest ist ihr Markenzeichen. Mit dem Jurypreis besondere Erwähnung für „die zeit“ bei kun-st-international.de wurde eine Künstlerin geehrt, die Buchstaben und Zahlen mit Menschen zu einer perfekt harmonischen Einheit verwebt. Das spiegelverkehrte Schreiben, eine Besonderheit vieler Kinder heute, wenn sie das Schreiben erlernen, ist wie eine Botschaft aus einer fernen Welt, oder einer längst vergangenen Zeit. Es scheint absurd, bisweilen verkehrt, aber Karina Laru-Naú sagt selbst, man muss sich nur darauf einlassen: „VERKEHRT ist rICHTIG“. Es wirkt wie eine Hommage an das „Verkehrt-sein-dürfen“. Das Anderssein nicht als Makel zu deklassieren, sondern das „Gegen-den-Strom-Schwimmen“ zuzulassen, das ist was man in den Bildern lesen kann. Wer will entscheiden, was richtig ist und was falsch? Vielleicht sind die Wurzeln verantwortlich für spiegelverkehrtes Denken, das dann abtrainiert wird, so dass man besser in den Strom passt. Vielleicht aber ist es auch etwas ganz Anderes, das die Fließrichtung bestimmt. Laru-Nau, deren Gesichter und Farbwahl an die Werke von Barbara Andres erinnern, sind wie gemalte Liebeserklärungen an Mensch und Sprache in Zeichen.  

Über einen Doppelpreis bei kun-st –international durfte sich Larissa Schmidt 2021 freuen. Für „Isolation“ erhielt sie sowohl beim Jurypreis, als auch beim Publikumspreis 2021 Platz 1, und das im Dezember 2020 entstandene Selbstporträt, die nackte Frau, eingesperrt im Glaskasten, inmitten eines kargen, kahlen, sterbenden, ja fast tot wirkenden Waldes, zeigt eindrucksvoll die Stimmung, welche die Pandemie 2020 ausgelöst hat.

Barbara Friebes Kokon daneben, ein zweiter 1. Platz der Jury, eine Papierarbeit aus Fotostreifen, ist eine kuratorische Meisterleistung. Sofort beginnt man zu assoziieren. Schon Gesehenes, schon Gehörtes, hoffentlich nicht Erlebtes, lässt Spielraum für Visionen in eine Zukunft, in der Mensch aufbricht zu anderen Sphären.

Der Kokon als Sinnbild für Metamorphose ist mehr als nur eine Skulptur. Es ist ein Gedankensplitter für viele Worte!

[KUN:ST] International ist ein Kunstverein, mitgegründet von dem Geschäftsführer der ARTe Kunstmessen GmbH Andreas Kerstan, der sich dem Respekt von Künstlern für Künstler aus aller Welt verpflichtet hat. Er sieht seine Rolle vor allem in der Etablierung und Weiterentwicklung von Künstlern rund um den Globus. Der Verein schreibt auf der eigenen Seite … „gegenseitigen Respekt der Künstler aus unterschiedlichen Kulturkreisen – auch die Anerkennung, dass zeitgenössische Kunst in Indien anders aussieht, als in den USA, Finnland, oder der Schweiz.“… Der Verein fördert das Zusammenspiel von Kunst und Kultur auf der Welt und setzt Akzente, um die Welt der Kunst in einer sich immer schneller wandelnden Kulturszene unter extrem unterschiedlichen Bedingungen und sich digitalisierenden Parametern weiterhin am Leben zu erhalten.

Der HLP-Galerie aus Köln haben wir es zu verdanken, dass wir eine Ahnung davon bekommen, warum Fotografie von Kunst bei etablierten Galerien nicht gern gesehen ist. Das Kopieren und Abkupfern von Arbeiten, womit vielleicht mancher Künstler einmal begonnen hat, einfach um Techniken zu erlernen, birgt die Gefahr, dass irgendwann die Frage auftaucht, wer der eigentliche Urheber und Schöpfer eines Werkes ist. Eine industrialisierte Kunstszene von Kopisten hat es leicht in einer global total vernetzten Welt und lebt vom Kopieren großer Meister oder namhafter Künstler. Man muss schon ein guter Kunstkenner sein, um Fälschungen, oder „Ideenklau“ zu erkennen. Wer war der Urheber eines Motivs, bevor eine Serie daraus wurde, und welche Namen bleiben hängen. Wer sich mit Kunst auseinandersetzt und das Besondere entdecken möchte hat es schwer in der Masse an Kunst, von der so Vieles einen Hauch von Einmaligkeit besitzt, wenn handgemacht und nicht aus dem Drucker stammend. Die meisten Künstler stecken einen Teil ihrer Seele in die Kunstwerke, die sie anfertigen. Selbst wenn das Handwerk technisch so perfektioniert wurde, dass das Werk ein echter Hingucker ist, ist nicht immer Seele im Spiel. Das ist es was Kunst schlussendlich besonders macht. Oder wenn plötzlich das Fließen beginnt. Der so genannte Flow. Wie eine göttliche, oder überirdische Eingebung oder Weisung, für die der Künstler nur noch Medium ist. Wie beim Derwishentanz fließt es plötzlich durch den Körper hindurch und beim kreativen Prozess entsteht das Besondere. Diesen Funken zu erspüren, das macht Kunst groß. Die Galeristin der HLP Galerie hat uns einen Hauch davon vermittelt und ein sehr tiefes Gespräch über Kunst war eine Bereicherung, die nicht mehr aus dem Kopf geht. Ohne Fotografien der Werke gehen wir nach Hause, mit der Erinnerung an wunderbare Strukturarbeiten eines Joachim Hiller, der sich mit den formbildenden Kräften der Natur auseinander gesetzt hat, mit der Erinnerung an eine Skizze von Christo, zu einem Zeitpunkt, da der Arce de Triumphe postum eingepackt wird und quasi die Verpackung zum Kunstwerk wird, sowie einer Erinnerung an eine Tuschearbeit, (oder war es ein Siebdruck, wir hatten nicht gefragt), wie eine zufällige „Schmiererei“ einer bergmännischen Lore, eine in dynamischer Bewegung fließende Arbeit, von Jean Tinguely. Dass manchmal gerade Skizzen von unschätzbarem Wert sind, weiß man vor allem in Asien, wo man Papierarbeiten und das Arbeiten mit Papier besonders wertschätzt. Heute mehr denn je, in einer Zeit, in der man dem Papier scheinbar den Rücken kehren möchte. Hätten es daVincis unbezahlbare Skizzen heute geschafft die Zeit zu überdauern? Kann man in der Masse an Content im Netz heute noch bahnbrechende Patente oder unbezahlbare Kunst  entdecken? Wer findet die Perlen der „Contemporary Art“, an denen manch einer vielleicht vorbeieilt, weil es vermeintliche Wertlosigkeiten oder Schmierereien sind? 

Das Arbeiten mit Tusche, oder Schwarz in anderen Konsistenzen, Acryl, Öl, Kohle, Blei, fluide Phasen … wir entdecken ein Werk auf Metall und denken an Gregor Kalus. Das Arbeiten mit „Schwarzem Gold“ hat etwas Mystisches. Magisches. Und man taucht ein.

Man kann nicht viel dazu sagen, oder doch alles. Man sieht und findet, erkennt und geht auf Reisen. „ ..durch Räume gehen..[1] und ..[2]“ so der Titel eines Duetts in Metall, Collagen aus verschiedenen Einzelarbeiten.

Gabriele Bechtel-Scholz erzählt Geschichten, ohne konkret zu sein. Man kann sich setzen und verlieren und die Kunst beginnt zu sprechen. Redselige Tusche, verführerisches Steinmehl, das durchschimmernde Silber, Schimmern des Metalls, und noch ein wenig Blau dazu. (Auf ihrer Seite gabrielebechtelscholz.com gefolgt vom Duett ..lass Dir erzählen..! [1] und [2].) Hätten wir sie nicht entdeckt, es würde etwas fehlen. Die Künstlerin  sprüht vor Lebensfreude, als sie erzählt. Von sich und ihrer Kunst und einem Leben voller Liebe zu einer außergewöhnlichen Arbeit, der sie wehmütig nachblicken wird, wenn sie sie in fremde Hände abgegeben wird.  

„KONTROLLE! Es geht um Kontrolle!“

Als er den Satz sagt, der große, junge Mann von der Galerie FineArtCrash, denkt man an das "Haus am See“. Den Film. In dem bei der Betrachtung eines Glashauses mit einem Baum darin gesagt wird, dass es um die Kontrolle geht.

Die Kontrolle der farbigen Fluidphasenverteilung, darum geht es dem Künstler Alessandro Casetti. Der junge Mann von der Galerie erklärt, dass die Phasen zuerst verteilt werden und danach die Gesichter darüber entstehen. Bei den Gedanken darüber, was dieser Zusammenhang bedeutet möchte man ausschweifend laut denken.

Kontrolle! Es sind Frauengesichter, die man zu erkennen glaubt, weil sie entsprechend geschminkt sind. Vielleicht stereotyp, vielleicht schön, scheinbar jugendlich, … und im Netz findet man ein Bild des italienischen Künstlers mit dem Titel: „Idrocardiogramma“ bei Artmajeur. Die Kunst des Malers ist so faszinierend, dass man sich kaum lösen kann vom Anblick. Die Fluide wirken wie Überreste von Blasen. Seifenblasen. Bubbles. Schaum. Seifen. Wohin die Phasen sich verteilen wird gesteuert. Soll definiert sein. Die Flüssigkeitsverteilung der Farbe oder Öle. Es wird gesteuert, wohin was verlaufen soll. - Mal mehr, mal weniger viskos.

Blasen erkennt man auf den ersten Blick auch bei Frederic Paul. Aber vielleicht nur, weil man Ähnliches in ähnlichen Farben schon einmal gesehen hat. Von Christine Cho. „Indeterminacy of live“. Auf der anderen Seite der Welt. - Immer hat man eine Querverbindung zu etwas, was man schon gesehen oder erlebt hat. Bildet man sich ein. Bei Christine Cho verbargen sich zwischen den „Bubbles“ Gesichter und Augen. Man sucht sie. Sucht Ähnliches. Glaubt es zu erkennen. Doch bei Frederic Paul ist es vor allem das Licht, das anzieht. Lichtpunkte, -teilchen, -felder, die sich gegen die Farbe zur Wehr setzen. Hell, licht und nebulös wirken die Werke. Wie farbgewordene Magie.

Eine weitere Galerie, außerhalb der Messezeiten überwiegend online präsentiert, ist die Galerie art4you aus Paris. Ein Künstler ohne Namen, als ID nur eine Nummer, 122285129514, hinterlässt 3-D-Werke, wie eine Wabenstruktur in Gelb, einem Bienenstock gleich, von schwarzen Sprenkeln überzogen. Der Titel des Werkes lautet „Neonicotinamid“. Der Künstler erklärt, es ist der Name eines Giftes, das in der Landwirtschaft eingesetzt wird zur Vernichtung von Unkraut. Ein Gift das Bienen vernichtet.

Mireille Louviot erschafft ungewöhnliche Skulpturen als Mix Media aus Holz und Keramik. Vor allem ein Eisbär passt thematisch gut zum Thema Klimawandel. Der Rücken sich scheinbar in Holz verwandelnd, das von feinen Löchern durchsetzt ist, ermahnt er das eigene Verhalten zu überdenken und sich an das Schmelzen des Polareises zu erinnern.

Bei der Kunst von 122285129514 kommt man auch zur Eisschmelze. „Fonte de glaces“ ist ein überdimensionaler QR Scancode. Hält man die Smartphone-Kamera darauf, um das Werk zu fotografieren geht sofort ein link zur Eisschmelze auf. - Mehr Kunst geht nicht! – Ein Wandwerk als Applikations-Link.

Es wird klar, dass umgedacht werden muss. Der Klimawandel, wie auch immer man ihn kategorisieren will, man kommt nirgendwo mehr daran vorbei. Es ist, als würde gesagt werden: „Wer noch immer nichts sieht ist blind. Was auch immer ihr tut: Es hat Auswirkungen! Ihr seid die, auf die es ankommt.“

Anja Ziegler hat erkannt, dass es auf sie ankommt. Ihre ART for HOPE macht Mut für die Zukunft. Ein kleines Mädchen, der Titel des Bildes „Hope“, ist wie eine stille Mahnung laut zu werden für Gerechtigkeit in der Welt. Auf Ihrer Internet-Seite sagt Anja Ziegler: „Kunst ist die Tochter der Freiheit.“ Das mag wohl so sein. Die Frauen, die sie farbintensiv porträtiert, wirken stark und frei. Wie Matronen mit der Kraft die Stimme zu erheben. Für all Jene, die es nicht können. Anja Ziegler ist eine dieser Frauen, die ihre Stimme erheben. Für ein Projekt in Italien, für Hilfe von missbrauchten Kindern. - STIMME ERHEBEN! - Anja Zieglers Werke ermutigen dazu. Sich stark zu machen für Menschenrechte und Menschenwürde, ganz gleich welcher Hautfarbe, welcher Herkunft, welcher Kultur, Religion, oder welchen Geschlechts.

Genau wie Anja Ziegler ist auch Dr. Blanca Mandel eine Künstlerin, die bei CRELALA Kunst vertreten ist. Sie beeindruckt mit einem wunderbaren neuen Werk mit dem Titel „Moonfall“. Vielleicht ist es das tiefe Blau, das in den Bann zieht, vielleicht auch die Geschichte, wie zwei Menschen beobachten, wie der Mond zur Erde fällt. Märchenhaftes auf Leinwand bannen, mystisch und verträumt, das ist eine Spezialität, die Dr. Blanca Mandel beherrscht.

Sabrina Seck ist eine junge Künstlerin, die in ihren Farben an Anja Ziegler und Kerstin Emrich Thomas erinnert. Ihre Großformate sind beeindruckende Arbeiten von Tier und Mensch und zeigen die Auseinandersetzung von Körper, Kraft, Ausdruck und Stärke. Nichts Trauriges. Nichts Deprimierendes. Pure Lebensfreude, zum Teil auch Besinnung, kann man in ihren Werken lesen. Und will man sich Energie nach Hause holen, die einen durch die Zeit trägt, sind ihre Werke die perfekte Anschaffung.

Bei Ulrike Gaiser sind es die Neonfarben, die anziehen. Neon, wie ein Sinnesreiz genauer hinzuschauen. Die Werke der Künstlerin sind abstrakt, sie erklärt, dass sie sich erst in jüngerer Zeit dem Neon zugewandt hat, weil es der düsteren, gedrückten Stimmung seit der Pandemie entgegenwirkt. Manche Werke erinnern an die Blütenphase der Daniela Orben, doch sind sie eher vage gehalten. Die Künstlerin löst die Welt in Licht, Nebel und Farbe aus Acryl und Mischtechnik auf und arbeitet Strukturen aus, zwischen denen sich manchmal Gesichter verbergen. Starke Pigmente in Acryl fördern die Farbmagie. Frühere Werke waren eher gediegen, oder in Erdtönen gehalten. Trockenrisse bekommen besondere Bedeutung und bei Collagen sind Schriftstücke oder Zeitungsfragmente eingearbeitet, was längst nichts Ungewöhnliches mehr ist, trotzdem sind die Werke besonders, weil sie eine ganz eigene Harmonie ausstrahlen. - Eine Ruhe, in der man sich für eine Weile vollkommen verlieren und "einfühlen“, oder „-schauen“ kann.

Ingrid Pohl ist vollständig in Weiß gekleidet und sagt sie kommt aus der „PSYCHOANALYTIK“. Es sind zwei Fotografien von Kinderhänden, die hinter Milchglasscheiben stehen. Die Kinder nicht erkennbar. Nur die kleinen Hände. Einmal beide Hände gegen das Glas gedrückt, kein Entkommen, denkt man vielleicht, das andere nur eine Hand, wie ein klares Nein! Die Künstlerin ist bereit zu erzählen, was man vielleicht nicht hören will. Was sie erzählt dringt tief ins Bewusstsein. Das Gehirn beginnt die wildesten Assoziationen anzustoßen und das Kopfkino läuft. Kunst kann auch grausam sein. Für den Betrachter. Für die Künstlerin ist es vielleicht nur das Spiel mit den Fantasien des Betrachters, doch was die Fantasie beflügelt, hofft man nicht im Reich der Wirklichkeit zu finden. Ingrid Pohl hat etwas erreicht, was vielleicht nur Wenige können. Sie verstört. Vielleicht muss man das Finsterste schon gesehen oder erlebt haben, um es in der Kunst wiedergeben zu können, oder damit in der Kunst spielen zu können. Der Kunst der Psychoanalyse spielen ihre Fotografien auf jeden Fall in die Hände.

Rote Mohnfelder ziehen an anderer Stelle magisch an. Die Farben leuchten. Wie in diesem Frühling manches Feld in diesen Breiten. Die Mohnblüten sind kleine Papiertütchen, teils gerollte Trichter. Wie Lampenschirmchen. Ingrid Maria Stockmann arbeitet mit Papier. Und neben den Mohnfeldern „geordnete Unordnung“ in gefalteten Tapetenstreifen. Beim genauen Hinschauen fällt einem Martina Hamrik ein. - Außergewöhnliches. - Einzigartiges. - Arbeit, die Zeit braucht. - Bei beiden.

Was bei Martina Hamrik das patentrechtlich geschützte Design „Schlaufentechnik“ ist, ist bei Ingrid Maria Stockmann das Falten von verschieden farbigen Tapeten. Der Gesamteindruck des Bildes, das sich ergibt, entsteht durch die Anordnung gefalteter Tapetenstücke, so wie der Gesamteindruck eines Kamera- oder Fernsehbildes durch die Anzahl der Pixel entsteht. Das Arbeiten mit Papier: So besonders, so großartig, so fantastisch, dass der Künstlerin internationale Anerkennung ganz sicher gewiss ist.

Vielleicht ist eine Messe kein geeigneter Ort, um der Kunst zu verfallen, aber man kann entdecken und findet vielleicht doch die ein oder andere Meisterin, bzw. den ein oder anderen Meister auf seinem Weg des Werdens. Es gibt so viele Ansätze, wie man Kunst betrachten kann. Sie zu lieben und lieben zu lernen, ist, was einen jeden Tag besonders macht.

Der ARTe Veranstalter Andreas Kerstan, der drei eigene Werke von systemrelevanten Berufsgruppen ausstellt, hat auch in Wiesbaden wieder eine sehr gute Auswahl an namhaften Galerien und Künstlern getroffen und lockt Kunstbegeisterte und Kunstliebhaber zu einer weiteren besonderen Kunstschau, die sich nun schon zum dritten Mal jährt und auch während der Pandemie nicht aufgegeben hat.

Kunst ist nicht nur ein KANN. Sie ist ein MUSS! Denn: Ohne Kunst war´s still. Wir sind froh über den RESTART! (Und freuen uns über Neues! – Gestern, wie heute, wie morgen.)

Der letzte Blick vorm Verlassen des großen Saals bei der ARTe Wiesbaden fällt auf die „Lichter“ der Katja Grandpierre. Wir erinnern uns an eines ihrer Werke aus dem Jahr 2018 „For those who really want to see clearly“ und wir lassen uns von den Farben des Werkes „Zwischen Zweigen“ nicht blenden. Die Lichtblitze einer elektrisierten Welt können tief in die Dunkelheit führen, wenn es niemanden gibt, der darüber wacht, dass man sich nicht im irrlichternen Dschungel verläuft und verliert. Kunst lädt ein mehr sehen zu lernen, als es offensichtlich zu sehen gibt und man verlässt eine wunderbare Kunstschau voller Energie und Esprit.

Direkt-Navigation öffnen oder schließen

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf „Alle erlauben“ erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen und die Möglichkeit, einzelne Cookies zuzulassen oder sie zu deaktivieren, erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.