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mainart in Aschaffenburg 19.05 - 22.05.22

Es ist das dritte Mal, dass die Main Art Aschaffenburg 2022 die Pforten öffnet und man freut sich auf Künstler wie Gabriele Utech, die den Kunstliebenden die technischen Möglichkeiten des Arbeitens mit nachhaltigen Materialien in Kunst und Kreativwirtschaft zeigt. Die mit ihren Arbeiten in einer modernen Welt als Impulsgeber zur Erneuerung durch Erinnerung dienen könnte.

Die sich dramatisch ändernden atmosphärischen Bedingungen, wenn man den Informationen durch Medien und Wirtschaft glauben darf, erfordern neue, vielleicht auch alte Wege in alle Bereiche hinein. Die zunehmenden Trockenperioden führen zu beschleunigter Trocknung, Rissbildung und zu Schrumpfung von Materialmischungen. Woran man früher in langen Versuchsreihen geforscht hat und durch genaue menschliche Beobachtung zu innovativen Lösungen gefunden hat, da lässt man heute die Rechner rechnen und simulieren und vertraut den Ergebnissen leichtfertig, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Die Kunst offenbart die sich ergebenden Probleme und Fragestellungen und man darf innehalten und neu denken lernen.

Unter Berücksichtigung aller Faktoren, darf man auf die Erfahrungen der Zeitzeugen hoffen und fragen, wo Lösungsansätze gefunden werden könnten, die man nicht wissen kann, weil man vielleicht einfach zu jung ist und das erfahrene Scheitern aus alten Zeiten nicht schriftlich erhalten oder überliefert ist.

Ohne die jüngsten Erkenntnisse klein reden zu wollen, sehr Vieles ist deutlich verbessert worden und die ein oder andere Problemstellung der Vergangenheit hat man heute nicht mehr. Ein wenig in der Zeit zurückzugehen, quer zu denken, die verschiedensten Felder zu beleuchten und die Wissenschaften untereinander analog zu verlinken kann nicht schaden. Die Alten beratend ins Boot zu holen, ihre Vorahnungen ernst zu nehmen und ihrem Wissen respektvoll gegenüber zu treten ist eine Aufgabe, die aktuell dringender ist denn je. Die Pandemie hat gezeigt, dass die gegenseitige Beeinflussung wichtig ist, und dass man die Generationen nicht voneinander trennen sollte. Ebensowenig die Kulturen, die voneinander profitieren. Plötzlich denkt man über das Volksschulprinzip von einst nach und wünscht sich ein generationenübergreifendes Miteinander.

Man steht noch ganz am Anfang der smarten Gesellschaft in der Masse, die sich aus der Pandemie ergeben hat. Home Office und Mobile Learning, vernetztes Arbeiten und Denken durchwirkt alle Bereiche und jeder muss universell denken lernen. Gabriele Utech zeigt in ihren Arbeiten, wo die Welt heute steht und es werden Viele gebraucht, die dieses Wissen erkennen und weitertragen. Es an den entsprechenden Stellen zu kommunizieren und Brücken zu bauen in die Zukunft, ist gefordert. Aridisierung aufzuhalten, ist das Ziel.

So wie Gabriele Utech sich der Materialkunde verschrieben hat und diese als Sprache anbietet, die man in andere Themenfelder hinein übertragen könnte, so kann man auch von den Sponsoren lernen, der die MainArt ihre Existenz zu verdanken hat. Da ist zum einen die brass-gruppe Förderer der großen Kulturveranstaltung, wie zum anderen auch die BAGHERPUR Knüpfwerke, die dem Teppich als Kunstobjekt wieder zu neuem Ansehen verhelfen könnten.

Jürgen Herzing, Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg, hat die Schirmherrschaft über die 3. main art Aschaffenburg übernommen und hofft auf die Zukunftsperspektiven, die sich aus der Kulturarbeit der Stadt durch regionale, wie überregionale Künstler ergeben können, in einer Zeit voller offener Fragen, die einer digitalisierten Generation gegenübersteht, die nicht mehr leben wird, wie man es bis noch vor wenigen Jahren gewohnt war. Der das Immaterielle wichtiger ist, als das Investieren in Kulturgüter oder in materielle Werte.

Eigentlich sind es Künstler wie Markus Marschmann bei Glassjam, Willy Flassig mit drei transparenten, trigonometrisch aufgebauten Programm-Köpfen in Blau, Eri Hayashi mit Werken wie Diver City, Wang Hailin mit goldenen Karussels und Teilchen-übersäten Wäldern oder Burkhard Schittny, mit seinen Tubes, die besonders erwähnenswert sind auf der diesjährigen Mainart, da sie die aktuellen Probleme der Welt als Kunst komponieren.

Und dann entdeckt man Werke von Künstlern wie Ralf Löhr, der ein tief gehendes Bild von den menschlichen Emotionen in kleinen Skizzen zeichnet, die er unter Corona anfertigte, als er nichts weiter zur Verfügung hatte als Papier und auf nur wenig Farbe reduzierte Mittel. Vielleicht denkt man an das Wort „verstörend“, besser aber beschreibt das Wort „bedrückend“. Nicht deprimierend. Depression als Begriff ist zu stark; das spürt man nicht bei der Begegnung mit dem Künstler.

Man spürt ein tiefgründiges Seelenleben in den Arbeiten. Ein tiefes Verantwortungsbewusstsein, das sich in seinem Werk "war child" offenbart. Man denkt sofort an Kindersoldaten und das Wissen, das man darüber in sich trägt. Eine junge Generation, die smart erzogen wird, nicht zuletzt durch ihre kleinen, smarten Maschinen wächst heran. Welche Worte der Kritik darf man wählen, ohne Hersteller und smarte Visionäre gegen sich aufzubringen? Worte auf der Goldwaage hat man vielleicht in der Pandemie kennengelernt und man ist vorsichtig geworden. Die digitalen Ohren können überall sein, digitale Augen wachen schon lange allerorts, ohne, dass sie überhaupt noch wahrgenommen werden. Ralf Löhr hat sie wahrgenommen. Seine Skizzen zeigen das deutlich. Die Augen sind scheinbar überall.

In Ralf Löhrs Werk, "Auf und davon" das den Weg in den Ausstellungskatalog gefunden hat, ist ein Auge zentrales Bildelement. Grün die dominierende Farbe. Offensichtlicher kann es kaum sein. Man fragt sich kurz: "Wie lange schon""

"Auf und davon"!... Als brauchte es noch eine Veranschaulichung hat Dorothea Gräbner eine Tür erschaffen, mit einer Stanze eines Menschen. Vielleicht Kind, vielleicht Sportler, auf jeden Fall Mensch in Bewegung, wie ausschreitend, um zu „kicken“. Durch die Stanze hindurch sieht man hinter die Tür. Hinter das Portal. Plötzlich erhält man Ausblick nach draußen, oder Einblick nach drinnen, je nachdem. "Mauergedanken" hat Dorothea Gräbner Ihr Türobjekt getauft. Tatsächlich ist es nur eine Zimmertür, so steht geschrieben, aber das Material ist hohl, durchzogen von feinen Röhren und im Arrangement in der Halle, in einer Ecke platziert, hängt rechts über der Tür eine überdimensionale Spinne. Vielleicht auch ein Käfer, oder ein anderes Insekt.

Dorothea ist eine von Fünfen des Kunstvereins Eulengasse, neben Petra Schott, Sabine Imhof, Martina Templin und Karin Raths und man findet Abstraktes in Klein, wie auch Groß und glaubt Antworten zu entdecken. Antworten auf Fragen, von denen man noch gar nicht gewusst hat, dass man sie laut stellen könnte. Die Kunst offenbart!

Isabell Heusinger ist weit gereist und sie verarbeitet das Erlebte und die Begegnungen mit fremden Kulturen und deren Brauchtümern in ihren Arbeiten. Es sind vor allem zwei Werke, die sie über ihre Erfahrungen in Indien angefertigt hat, die tief berühren. Es ist das Mauerwerk und das Verfallen, eine andere Sichtweise auf das Existieren und den Wert des menschlichen Seins in einem System, in dem jedem sein Platz zugewiesen ist. Man ahnt aber, dass sich weltweit die Zuweisung auf vorgesehene Plätze, durch Familien, oder gesellschaftliche, oder kulturhistorisch gewachsene, religiöse Strukturen in der vernetzten Wirklichkeit nicht mehr halten lassen. Der Umbruch findet seit Jahren statt und lässt sich nicht mehr aufhalten. Die Welt wird zusammenrücken müssen, wenn sie nicht in Chaos und Krieg versinken will.

Kerstin Heinze-Grohmann fasziniert mit ihren Arbeiten durch ihre detaillierte Malerei von Geschichten auf Papier mit Fragmenten von Fadentechnik. Vor allem die Fäden sind es, von denen man den Anblick kaum loseisen kann. Man erinnert sich an die alten, weiblichen Stick- und Häkelarbeiten der Großeltern-Generation und erkennt, wie wertvoll diese alten Strukturen in der Bedeutung für mathematisch-physikalische, ja universalgelehrte Erkenntnisse sind. Man entdeckt das Alte Wissen, das nicht zuletzt durch handwerkliche Fertigkeiten schon lange weitergetragen wird. Entfaltungsmöglichkeiten und Mitspracherecht in den Wissenschaften aber ist geschlechter -spezifisch noch immer unausgewogen. Auf der main art wird deutlich, welchen Wert das Zusammenspie zwischen den Geschlechtern seit Anbeginn hat. Wer welches Wissen weiter- ja preisgibt, sollte aber ganz genau wissen an wen. Und zu welchem Zweck. Die junge Generation hat inzwischen Zugang zu Informationen aus aller Welt und sie begreift schnell. Kann man dieses Wissen sinnvoll und nachhaltig fördern, gegen die eigenen Vorlieben und den eigenen Antrieb, je nach Talenten und Neigungen? Die Zeitenwende steht vor großen Herausforderungen und die quantengestützten Methoden in beschleunigten Systemen werfen Fragen auf. Spätestens, seit jeder ein smartes Gerät in Händen hält, durch das er jederzeit „inspiriert“ und „geweckt“ werden kann. Die Impulse zu kontrollieren, die permanent durch den Raum jagen, ist die Aufgabe. Das Hier und Heute reicht nicht mehr. Man muss schon Generationen vorausschauen und darf den Blick in die Vergangenheit nicht vergessen. Multiversum, Metaverse und ein im Grundgesetz verankerter freier Zugang zu Information hinterlassen nachdenklich.

Vielleicht kann man heute von all den Zeitzeugen und Glaubenshütern profitieren, die noch einen Schritt tiefer in einer Wahrheit verankert sind und die sich dem rein rationalen Verständnis des Seins verschrieben haben. Und dann sieht man die verschiedenen Glasplatten des Künstlers Hartmut Natterer über- bzw. nebeneinander, wie man es auch schon bei einem Gerhard Richter angeordnet gesehen hat, und man denkt darüber nach, welche Bedeutung die verschiedenen Glasebenen, wie man sie schon bauphysikalisch aus passiver Wärmespeicherung kennt, darüber hinaus haben könnten. Was, wenn man eine Käseglocke aus dicht in einem engmaschigen Netz aneinander aufgespannten Teilchen, Staubpartikeln, Glasfaserteilchen, Gesteinsmehlpartikeln, oder Pollen in verschiedenen Ebenen übereinander „baute“, zur Abschirmung. - Abschirmung des Raumes darunter! – Wäre sie dann Schutz, oder begünstigte sie die Erwärmung des Inneren durch ein Verhindern von diffusiven Vorgängen? - Das „Tropical Island“ maybe is true yet! - Die Kunst wirft die physikalischen Problemstellungen dem Betrachter vor die Augen, doch die Lösungen muss er allein finden. Die Sesamstraßentaktik geht vielleicht auf, die Suchmaschinen erfassen die Fragen und die Maschine lernt mit. Vielleicht kommt der Menschen-Schwarm am Ende doch zu recht passablen, nachhaltigen Lösungen. Mit Blick auf die fremden Kultureinflüsse nicht unwahrscheinlich. Wenn es um Treibhauseffekt und Luftreinhaltung geht muss man vielleicht im Atmosphären-Gitter vielleicht einfach nur ein paar Fehlstellen als Durchlass einbauen. Wie viele Fehlstehlen müssten es sein, zum Abkühlen der Atmosphäre auf ein gesundes Maß? Und was, wenn das Ozonloch vielleicht vom Fluch zum Segen gewendet wird, weil es einen Teilchenaustausch begünstigt? Physikalische Fragen drängen sich geradezu auf bei Hartmut Natterer.

Geometrische Elemente, mathemathisch-physikalische Grundeinheiten, Punkt, Gerade, Fläche, Ebene, Koordinatengitter und Raumaufspannung werden zum „Spielzeug“ in der Kunst. Sowohl analog, als auch digital. Das trigonometrische Netz taucht wieder und wieder in den Künstlerarbeiten auf und 3-dimensionaler Raum wird erschaffen. Mal als optische Täuschung in der zweidimensionalen Ebene und mal wahrhaftig, aufgespannt im Raum. Das Dreieck als flächen-aufspannendes Element wird zum infiniten Element! Unendlich klein, und es können menschenähnliche Körper erschaffen werden. Aus Teilchen kolloidaler Größe. Vielleicht transparent, wie bei Willy Flassig, der mit seinen Computergrafiken auch Publikumspreisträger wird. Die digitalen Möglichkeiten durch 3D-Grafiken oder 3D-CAD-Animationen sind so vielfältig, dass man immer wieder ins Schwärmen geraten kann. Die Kunst lässt sich lesen, wie einst die mündlich überlieferten Märchen, die schließlich von Leuten wie den Brüdern Grimm gesammelt und überliefert wurden, und man denkt an den Märchenschatz der ganzen Welt und findet vielleicht Antworten.

Vielleicht darf man 1001 Nacht noch einmal lesen und sich des fliegenden Teppichs erinnern, oder Homer und die Irrfahrten des Odysseus wirken nach, und vielleicht entdeckt man im Kulturerbe der Welt mehr als nur materielle Schätze der Menschheit, die es zu erhalten gilt. Die Bagherpur Knüpfwerke sind neben der Auto brass-Gruppe der zweite Sponsor der main art in der Grünewaldhalle und man darf einen Gedanken an den Orient verschwenden, in dem der Teppich über Jahrtausende mehr war, als nur eine wertvolle Handarbeit. Wer sich auf den Weg gemacht hat, oder sich heute auf den Weg macht, sei es mit Auto oder mit Pferd oder Kamel genießt vielleicht die Momente der Ruhe und Einkehr, nach dem "Unterwegs-sein". Die Augenblicke der Besinnung auf einem weichen Untergrund. Vielleicht weiß die Jugend den Wert eines Teppichs noch nicht zu schätzen, interessiert sich nicht für den Kulturaustausch durch Knüpfkunst oder traditionelles Handwerk, und kann sich nicht vorstellen, dass ein Teppich Schutz, Lager, Decke und so vieles mehr sein kann,... man sieht das Sterben der großen Läden in den Städten und es darf traurig machen, denn das Knüpfen oder Weben eines Teppichs ist eine Meisterleistung, die man durchaus als Kunst anerkennen muss. Die neuen Muster sind modern, und gleichzeitig spiegeln sie die Auflösung wieder, die ein Teppich aufweist, der über Jahre hinweg als Schmuckstück des Kunsthandwerks viele Augen verzaubert hat. Die traditionellen Muster sind nur noch in ausgewählten Kreisen gefragt. Jugend verlangt nach neuem Design. Die Kulturen der Welt und die Völker einig miteinander in die Zukunft wirken zu lassen, das erhofft man sich, wenn man das friedliche Miteinander auf Kulturveranstaltungen wie der main art sieht.

Es darf einen positiv überraschen, wenn eine asiatische Künstlerin namens Hailin Wang eine ganze Serie dem Karussel widmet, das so viel mehr sein kann als nur eine Jahrmarktattraktion für Kinder. Und dieselbe Hailin Wang überliefert die Veränderung des Waldes, den man inzwischen hierzulande überall beobachten kann. Die Meisterschülerin bei Marijke van Warmerdam, wie man im Netz auf der Seite des Heidelberger Kunstvereines liest, schult das Auge für die Bedeutung von „Teilchen“ und weist indirekt hin auf atmosphärische Verschmutzungen. Vielleicht waren diese schon immer existent, aber man weiß, ihre Zahl hat messbar zugenommen. So zeigen es die technischen Geräte.

Das genaue Beobachten von Natur und den Veränderungen in ihr, ist eine tief verwurzelte asiatische Tradition, die man in der Kunst des Ostens noch häufig finden kann. Hierzulande scheint sie in den Hintergrund geraten zu sein und ist erst durch die Pandemie wieder in den Fokus gerückt. Man darf froh sein über den Kulturaustausch über die Grenzen hinweg, der vielleicht hilft diese Tatsache der Naturvernachlässigung zu verändern. Froh über die fremden Ansätze an Kulturüberlieferung und man hofft auf noch viele weitere Ausgaben der main art, die man 2022, vielleicht pandemisch ausgehungert nach Kultur, genossen hat.

Der Mensch und seine Fähigkeiten Kultur zu schaffen wird auf der main art auf wunderbare Weise demonstriert. Die Essenz des humanoiden Seins wird durch die Skulpturen eines David Trillsams bedeutsam in Szene gesetzt. Was Hände und Füße zu leisten imstande sind, sei es im Handwerk oder im Sport, oder im Hinblick auf geistige Fähigkeiten setzt der Künstler durch die unproportionale Vergrößerung der Extremitäten ganz wunderbar gekonnt um.

Auch der Schönheit wird immer wieder von den verschiedensten Künstlern ein Denkmal gesetzt. Porträts von Anmut und Grazie werden überliefert und Körperstudien werden präsentiert.

Auf den zweiten Blick erkennt man dann, dass unter dem oberflächlichen Blendwerk oft Tiefergründiges verborgen liegt. Nicht immer zeigt es sich sofort, aber fast immer ist bei ernst zu nehmender Kunst ein Detail, das man leicht übersehen kann.

Mancher Künstler möchte es vielleicht unerwähnt lassen, vielleicht interpretiert man die Werke auch falsch, und glaubt Tierfergründiges zu erkennen, über das es schwer fällt Worte zu finden, aber man spürt den Details nach, weil man in ihnen glaubt lesen zu können. -Wird man fündig,... -sollte man dann über diese Details Worte verlieren? Und wenn ja, gibt es Tabus?

Was darf man über Kunst sagen? Schreiben? Ist es möglich Abstraktes begreifen zu lernen? Darf man ungestraft Kritik üben und eventuell verletzen? Darf Kritik negativ sein? Darf nicht „gefälliges“ Erwähnung finden, ohne Seelen zu zerstören?

Gibt es überhaupt „schlechte“ Kunst? Der Moment, in dem sich der Betrachter beginnt diese Frage zu stellen, ist vielleicht schon der Moment, in dem die Kunst gut wird. Immer wieder sind Menschen dem Begriff Kunst auf der Spur und die Frankfurter Städelschule hat gar der Diskussion ÜBER Kunst einen höheren Wert eingeräumt, als dem Werk selbst. Am Ende sind es Worte, die ein Werk erhöhen können. Oder erniedrigen. - Je nachdem. – Was macht ein Werk so einzigartig, dass es im Gedächtnis bleibt? Was macht einen Künstler so besonders, dass man ihn nicht mehr vergisst?

Nicht mehr vergessen wird man vielleicht die Kunst von Maximilian Ostermann, auf dessen Seite man auch im Netz mehr als nur einen flüchtigen Moment verweilt und in eine fremde Gedankenwelt eintaucht, die so viel mehr als nur Birkenfelder vor See- und Berglandschaften präsentieren.

Alena Steinlechner verewigt die Leichtigkeit des Lebens in ihren Werken, in denen sie die Menschen, die sich zufällig begegnen, ohne einander wirklich wahrzunehmen, zusammenkomponiert, so dass sie ein kunstfertiges visuelles Orchester ergeben, das tonlos in die Augen spielt. Und immer ist da Jemand, der wie zufällig dabei ist, oder vorbeigeht und aufmerksam wahrnimmt, wie Menschen miteinander umgehen, oder untereinander kommunizieren, ohne dafür wirklich Worte zu brauchen.

Worte braucht auch Raphael Rack nicht. Auf der main art erliegt man im Vorbeigehen fast dem Irrtum Werke von Gerhard Richter entdeckt zu haben. Auf den zweiten Blick erkennt man, die großformatigen Werke sind von Raphael Rack. Und ein Dr. Friedhelm Häring hat Worte für Raphael Racks Arbeiten gefunden, die man nicht unzitiert lassen möchte. Da „ringen“ die Farben miteinander, aus „Qual“ werden Kraftpakete geboren, (…) „Schnitte durch das Lebendige, voller Neugierde und Optimismus“ (…), eröffnen (…) „Straten ferner Horizonte“. (…) „Malerei als merlinische Verwandlung, Metamorphose, Verdichtung von Leben nach innen und außen.“ (…)

Durch den „Schlier Effekt“ werden Farben und Schichten „befreit“ und (…) „blühen uns entgegen, in den Betrachter Raum. Streifen und Farbkissen wollen uns ergreifen. Seit dem Epitaph von Orlando sucht er und findet er unter der alten Kruste den glutvollen „Teppich des Lebens“ aus Schicksal und Zeit …“ (…) Dr. Härings Erläuterungen auf der Seite von Raphael Rack sind unbedingt zu empfehlen. Man bekommt Einblicke in ein Arbeiten, das bildgewordene Komposition einer überirdischen Musik ist, die man vielleicht nicht hören kann, gleichwohl aber visualisieren. Dann darf man stehen bleiben, sich dem irrlichternden Farbspektrum ergeben, das sirrend auf einen einwirkt und vielleicht kann man nachempfinden, warum Dr. Häring von „genialen Schöpfungen“ spricht. (…) Raphael Racks „Rootings wachsen in die Tiefen der Erinnerung, wie das träumende Wissen der Erde.“ (…)

Das „träumende Wissen der Erde“ entdeckt man auch bei Petra Reissmann. In den ausgestellten Werken findet man arbeitstechnische Elemente aus ihren Werksserien „Deep Layers“, „Reflection“ und „Fusion“. Wie auch Raphael Rack abstrahiert sie die Wirklichkeit in ihren Arbeiten und komponiert mit Farbe und Material. Mit dem Hauch der umgebenden Unendlichkeit entstehen die Arbeiten mit Gesteinsmehlen, die anders als bei Gabriele Utech weniger intuitiv, eher vordefiniert zu trocknen und zu reißen scheinen. Man muss sich einschauen, um zu begreifen, wie man es immer muss, wenn Künstler abstrahieren, aber man glaubt zu erkennen, dass das Arbeiten des Materials einem Gitter folgt. Man will verstehen lernen, was der Künstler mitteilen möchte und stellt sich die Frage: Ist Petra Reissmanns Arbeit das Visualisieren der Matrix, in der schlussendlich alles „gefangen“ ist?

„Wild“ geht es einem vielleicht durch den Kopf, wenn man all die Farbe auf sich wirken lässt, die Jess/ Joachim Axt explosiv auf Leinwand gebracht hat. Abstrakt expressiv! Das scheinbare Chaos hat durchaus eine gewisse Struktur, eine Ordnung, die sich harmonisch anordnet. Der Anblick wirkt, als hätte sich die Kunst einer übernatürlichen Fügung ergeben, die wie von Geisterhand geführt, zu einem Werk heranwächst, das vielleicht noch immer offen ist, noch nicht abgeschlossen, auch wenn schon ein Finish darüber ist, aber in sich ist es zum Zeitpunkt des Betrachtens doch nur eine Momentaufnahme des ewigen Flusses in Raum und Zeit. Man liest Blues, Jazz und Klassik treiben bei der Entstehung der Werke an und man kann es sich durchaus vorstellen, darf die Augen schließen und für einen Moment dabei sein und eintauchen, während die Kunst erschaffen wird. Musik lässt während des Erschaffens die Richtung ändern, den Takt, die Geschwindigkeit, und man beginnt zu begreifen, wie die Inspiration eines fremden Geistes in Kontakt tritt mit dem Schöpfer eines Werkes und was man sieht ist das Ergebnis einer Symbiose zweier in Raum und Zeit vollkommen unabhängiger Geister, die doch verbunden werden können. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, ob der Meister der Taktvorgabe vielleicht schon lange gegangen ist. Geblieben ist sein Geist! Seine inspirative, konspirative Kraft. Das Wirken durch Raum und Zeit in einem Gefühl, das bleibt. Reine Energie, die erhalten bleibt und unauslöschlich wirkt, ohne, dass sie Schönheit und Jugend braucht. Energie, die durch das Leben tragen kann. Positiv, wie negativ. Auf jeden Fall farbig!

Es kann kein Zufall sein, dass die Wahl der 3. main art auf die Grünewaldhalle gefallen ist. Einem alten Jugendstilbau mit besonderem Charme. Jugend und Schönheit sind es, die immer wieder ihren Sockel finden, und die als Vorbild dienen für Viele, die ihnen nacheifern. Die nach Anerkennung streben und davon träumen einen Bruchteil des Erfolges zu erreichen, den sie bei ihren Vorbildern sehen. Dass dieser Erfolg seine Schattenseiten hat, zeigen berühmte Beispiele, wie Amy Winehouse, die neben den Stars im Treppenhaus des Jugendstilbaus von Rita Stern einen würdigen Platz an der Wand gefunden haben. Und Rita Stern hat ihren ganz eigenen Ton gefunden den großen Damen ein Denkmal zu setzen.

Große Frauen, nach außen stark und unverletzlich, sie tragen die Hoffnungen so vieler auf ihren Schultern.

Starke Frauen, wie auch die Veranstalterinnen und Kuratorinnen der Main Art, die bewiesen haben, dass nicht allein Männer Großes auf die Beine stellen können. Nur der Fokus ist bei der Kunst- und Künstlerwahl möglicherweise ein anderer. Und ohne die Unterstützung durch die Finanzkraft aus der noch immer stark männlich überpräsentierten Wirtschaftselite hätten solche Events oft keine Chance auf Erfolg. Jeder braucht starke Partner an der Seite, sonst können Träume nicht wahr werden und mit der Hilfe von starken Schultern, die tragen, kann man Großes auf den Weg bringen, wie eine Veranstaltung dieser Größe, der man noch viele Wiederholungen in Zukunft wünscht.

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