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Me and My Machine

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WIR WAREN DRAUßEN!

„Freitags für die Zukunft.“ - Mal nichts getan. - Naja, wenn man denn rausgehen und Staunen als „Nichtstun“ bezeichnen darf. Einzig der Fahrtweg ist in Frage zu stellen. Zu viele Kilometer. Zu wenig nachhaltig. Und das bei derzeitigen Spritpreisen. - Würden wir in Duisburg wohnen, was wir nicht tun, leider, oder Gott sei Dank, kommt ganz darauf an, wie man es sehen will, je nach Cityliebe, Stadtverdrossenheit, Landflucht oder Anstellungsverhältnis, also würden wir hier wohnen, gäbe es nichts gegen den Spaziergang einzuwenden, bei dem man dann eben im Lehmbruckmuseum „landet“.

Es ist Freitag und es ist diesig-trübes Wetter. Die Stadt wirkt verwaist. Eigentlich gibt es viele Gründe sich zu Hause einzugraben. Aber noch viele mehr, es nicht zu tun. Und die haben überwogen. Wie gesagt, wir waren draußen! Und wir haben Tony Cragg gesehen. Naja, nicht Tony Cragg, aber seine Kunstwerke, mit denen wir schon bei der Ausstellung „Licht und Transparenz“ in der Bonner Münsterbasilika in Berührung gekommen sind.

Aber wegen Tony Cragg sind wir nicht hier. Wir sind hier wegen „ME AND MY MACHINE“.

Wortverspielt hatte man vielleicht an rollende Maschinen gedacht. An Motorräder, oder Autos, oder eben irgendwas, was fremden Antrieb braucht, aber an das Smartphone hatten wir nicht gedacht. Jedenfalls nicht auf Position Nummer EINS.

Betritt man das Untergeschoss, in dem sich auch Garderobe, sowie Lebensweg und SkulpturenAusstellung des Museumsnamenspaten Lehmbruck selbst befinden, wird man gleich beim ersten Blick nach links von überdimensionalen Händen in Empfang genommen. Hände, in denen Smartphones liegen, auf deren „Nichtdisplay“ nur der Raum dahinter zu sehen ist. Und im Draußen, hinter den Fenstern, rennen Licht-Pixel, als Beine erkennbar, weil das Hirn es so will, an den gläsernen Lichteinlässen ins Gebäude, vorbei.

Die Sache mit dem Licht, und wie es eingesetzt wird, was es werden kann und was wir sehen, je nachdem, wie damit gearbeitet wird, ist nichts Neues, und doch wieder neu, wenn man es von einer weiteren Ebene aus betrachtet. Während vor allem die junge Generation das Smartphone nicht mehr aus der Hand legen kann, und will, und die reale Welt mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden scheint, sendet die frische Künstlergeneration der Digital Natives selbst, Zeichen in die Welt.

Wie ein Hilferuf, der wahrgenommen werden soll, den aber niemand sehen will, weil die Nase in den Maschinen steckt. Anders, als all die Nasen, die das Hirn aus Craggs Skulpturen wachsen lässt, um sie einen Schritt weiter wieder im Formengewirr verschwinden zu lassen, und die im Hier und Jetzt real existieren.

Pixel und Punkte, Lichtspiele und terrestrische Pulsare, Virtuelle Realität, Augmented Reality, AR, und Robotics, wer hätte sich das vor Jahren ausmalen können, wohin die Reise geht?

Die Ausstellung im überwiegend dunklen Raum des Untergeschosses (ein Teil des Museums ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und wird umgebaut) die Ausstellung also wird lebendig durch Videoarbeiten, Laserinteraktionen mit geometrischen Gittern und Strukturen, wie verzerrte Raumgitter von Kristallen oder Matrizen aus Holz, analoges Innenleben einer digitalen Fantasie,erdacht als „Großskulptur“ von Becker Schmitz, 2021.

Tatsächlich könnte man schreiben und schreiben und schreiben und hätte immer noch mehr zu sagen, was man in die Untiefen der digitalen Welt entsenden wollte, aber die Kunst kommt ohne viele Worte aus, und das macht sie so wertvoll und unentbehrlichfür die Menschheit. - Seit Anbeginn. - Was Kunst im menschlichen Hirn in Gang setzt und in Bewegung bringt, wird vielleicht eine Maschine nie nachvollziehen können, weil manches Gedankengewirr konfus und fantastisch ist und manchmal auch große geistige Anstrengung erfordert, es zu verstehen.

Ob Roboter, Androide, Avatare, oder virtuelle Wesen je dazu in der Lage sein werden das Querdenken zu erlernen, bleibt eine spannende Frage.

Der Frage gehen kunstvoll nach:

Aram Bartholl „Point of View 20“,

Till Nachtmann und Stefan Silies „Die Aufsicht, 2021“

Becker Schmitz „Audioreaktive Installation“

Tomasz Kwapien „Jump and Drum”

Ant Eye “Free the Expression”

Johanna Reich “Face Detection”

Candoco Dance Company “Cuckoo” (Tanzfilm)

Sophie de Oliveira Barata “Cuckoo”

Beate Gärtner “Poesie des Alltags“

Susanna Hertrich „Eine Prothese für Instinkte“

Susanna Hertrich „Robot“

Es ist vor allem Anne Hertrich, deren Position fasziniert. Ein Raum, wie ein Hinterzimmer, das schlafende Mädchen, mit einemschwarzen Kristall im Arm. - Wie Millionen Jugendlicheverheiratet mit ihrem Smartphone in der Hand, und vorstellbar, eines Tages, dem digitalen enschersatz.

Die digitale Transformation des Menschen, Susanne Hertrich hat sie meisterhaft in Szene gesetzt und zieht alle Register der Fantasie, was alles möglich sein kann. – Wirklich erst morgen?

Schaumstoffe, Schwämme, Fremdmaterialien, künstliche Gewebe, man erinnert sich an die Genese der Babypuppen für Kinder, die immer weiter perfektioniert wurden. Aus Strohpuppen wurden Tonpuppen, aus Tonpuppen Puppen aus Hartplastik, dann kamen die Weichmacher hinzu und Silikon kam in Mode. Da gab es in den Fünfzigern Puppen mit fast lebensechten Zähnen und einem Augenaufschlag, in den man sich verlieben konnte,

in den Siebzigern gab es schon Puppen mit kleinen Schallplatten im Rücken, die ihre Puppenmutter mit freundlichen Worten verzückte, in den 2000er Jahren war die Haut wie lebensecht, nur noch nicht beheizt, jedenfalls nicht für die Massen, die Geräusche des Babys, vom Geschrei übers Weinen, hin zum Lachen und beglückten Seufzen, wie lebendig, nur der Kopf wollte noch nicht so recht halten und riss zu leicht ab.

Damals waren es nur Spielzeuge. Auch heute wären es nur Spielzeuge. Aber wie weit kann man sie weiter ausfeilen? Ein Hiroshi Ishiguro entwickelt seine Modelle permanent weiter und perfektioniert die Menschenähnlichkeit.

Die großen Messen für Robotics haben vorgestellt, was alles möglich ist. Wie weit sind wir und wer steht uns gegenüber? Was uns perfekt gegenübertritt, … ist es noch Mensch oder schon optimierter Wunschtraum Einzelner, die sich ihre Wunschfigur selbst erschaffen haben?

Filme wie GATTACA seinerzeit (1997) haben schon damals Fragen aufgeworfen, die den Genetischen Code ins Licht gerückt haben. „Plastic Surgery“ und Gen-Codierung, Pandemie und Impfung, „Symbiose zwischen Mensch und Maschine“, so der Untertitel der Ausstellung, und eine Jugend in Zeiten des Klimawandels, in der man sich noch einmal an „Nummer 5 lebt“, oder „Wall-E“ erinnert machen sehr nachdenklich. Je weiter man optimiert, wozu braucht man dann noch den Menschen?

Dass, was Fluch ist, auch Segen sein kann, zeigt Sophie de Oliveira Barata mit “Cuckoo” und dem zugehörigen Tanzfilm der Candoco Dance Company. Die medizinische Forschung ist inzwischen technisch soweit fortgeschritten, dass das Leben deutlich verlängert und die Lebensqualität extrem verbessert werden kann. Künstliche Herzschrittmacher, Kunstherzen, Hörgeräte, Arm-, Bein-, HandProthesen, … Behinderungen können immer besser „unterstützt“ werden und es kann Positives für die Menschenwürde getan werden.

Sophie de Oliveira Barata ist Orthopädietechnikerin. Sie kreiert Prothesen, und gemeinsam mit denen, die den Gedankenströmen auf die Sprünge helfen Prothesen funktionieren zu lassen, schafft sie Wunder! Sie hilft Menschen mit Behinderungen, was ausdrucksstark im Tanzfilm umgesetzt, und als Video präsentiert wird.

Den makellosen Körper zu „bauen“, die Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen, … die Forschung ist weit gekommen, aber dann gibt es da die Frage: Gibt es einen Punkt, an dem man eineGrenze ziehen sollte?

„Technische Erweiterungen des Körpers“ werden im Ausstellungshandout erwähnt. Entwickelt um zu helfen. Aber bei allem, wo Positives den Anstoss gab und gibt, kommt der Faktor Geld hinzu. Dann kommen Jene ins Spiel, die verdienen wollen. - Wem wird was zugänglich sein? - Wem wird was vorenthalten werden? - Wer wird sich Prothesen leisten können? – Technische Erweiterungen.

„Technische Erweiterungen des Körpers“, oder gar des Geistes. - Vom Zahnimplantat, über Brustimplantat, über Schönheitsoperationen oder Hirnstimulationen, wer zahlt aus welchen Gründen für was? Nur bei sich, oder auch für ein perfektes Gegenstück? (Keine neue Frage, schon in den Siebzigern, wahrscheinlich auch Sechzigern schon heiß diskutiert.) - Folgt am Ende alles einem medizinischen Zweck? Und sei es nur um Sehnsüchte, Träume, Wünsche und Hoffnungen zu befriedigen? - Was ist mit der Intelligenz? Ist sie ohne Lernen steuer- und erweiterbar? Ist ein Gehirn kreierbar? Dann kontrollierbar? - Manipulierbar? - Menschliches Denken simulierbar?

Fragen über Fragen, die in der Ausstellung aufgeworfen, nicht aber beantwortet werden.

„WELCHE ZUKUNFT HAT DIE ZUKUNFT?“ Das ist die Frage, die bleibt.

Noch vor dem Verlassen der Ausstellung sieht man diese Frage auf einem Flyer, aufgeworfen vor etwas, das aussieht, wie ein Portal. - Das Portal in die digitale Welt? Ein schwarzes Loch? Umrandet von blauen Strahlen, Wellen, Pulsen? - Aufgetan hinter schwarzem Glas? Einem schwarzen Brunnen gleich, wie dem aus der Sammlung Ströher, den Ulrich Rückriem 1986 aus schwarzem Granit erschaffen hat.

Vom 5.3. -2.4.22 widmet sich www.futur21.de mit 32 Künstler:innen in 16 Industriemuseen in NRW der Beantwortung der Frage.

„WELCHE ZUKUNFT HAT DIE ZUKUNFT?“

Bis dahin bleibt DANKE zu sagen, an alle Kunstschaffenden, die nicht aufgeben, und all die Förderer, die sie unterstützen und die Mutigen, die aufstehen, dem Unaussprechlichen eine eigene Sprache zu verleihen. Eine Sprache, die Brücken bauen kann und Mut macht. Und die Hoffnung zulässt, dass trotz aller Schwarzmalerei und der Frage nach der eigenen Position zu „Me and My Machine“ am Ende alles gut ausgehen wird.

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