64625 Bensheim

ZWEI FAVORITEN, IDEEN ZUM ANFASSEN, VIEL HOLZ UND EINE NACHRICHT VON BUJA

An C3PO, den Beweinten, in den Armen eines Kapuzenwesens erinnern wir uns sofort, auf der ersten ARTe in Wiesbaden haben wir BUJA entdeckt und kamen an seinem Buch nicht vorbei. - Haben will!

Ging es durch den Kopf und zack war´s gekauft. Und dann kam CORONA! - Oder hatte sie sich schon vorher ausgebreitet? - Die Pandemie?

Das Geisterhafte umgeistert uns und ein Bender in den Armen einer Liebenden – Mutter? - erinnert an Biblisches, Neutestamentliches, immer wieder heiß Diskutiertes. Wie eine Persiflage auf den Marienkult wirkt das Großwerk, aber hierzulande darf man das. Persiflieren. Werte auf die Waagschale legen und darüber grübeln. Jeder darf sich seine Meinung bilden und sie äußern. - Laut. - Oder leise. Hauptsache raus damit, mit dem, was man zu sagen hat.

Das Bild weckt Mitleid. Wer war noch gleich Bender? Aus welcher Serie? FUTURAMA? Oder hat man die Buchstaben durcheinandergewürfelt?

Teilchen. – Elementarteilchen! – Druck, Zug, Beschleunigung, BUJA hat ihn raus den Dreh mit der angewandten Physik und es ist herrlich anzuschauen, umgesetzt in Farbe. Pixelrauten, Rautenpixel, … sie erinnern an Burlington, als Muster, … auf Socken, oder Pullundern und die Portrait-Schönheiten im Großformat werden zu stillen Freunden an der Wand. Unbeschleunigt, ungestreamt, im Still, aus dem Off.

In BUJAS Buch, dem ersten, das man schon kennt, hatte man Bilder gefunden mit Schrift, wie zu Großmutters Zeiten. - Wer zieht Rückschlüsse? Und wenn, dann welche? Eine Schrift und Bilder sagen was?

Schieben in welche Ecken? – Geschichtsbewusstsein! - Würde es abhalten Motive zu verwenden, die einen bewegen, die man aber aus der Erinnerung bannen will? - Gegenwart. - 2022. - Was zählt heute? Bei BUJA entdeckt man so manches Detail und stellt sich die Frage nach der Essenz. Im Buch liest man: „Große Formate mit kleinen Details, um die Augen für das Wesentliche zu öffnen.“ Man schaut genau und findet.

Aber das Wesentliche? Das ist vielleicht für Jeden etwas anderes. Bis auf Essen, trinken, schlafen und Fortpflanzungstrieb. Vielleicht auch noch Geld. Aber darüber hinaus?

Das Wesentliche bei Lajos Tornyosi ist irgendwie galaktisch. Er kommt irgendwie urban aber spacy daher. Ein echtes Highlight, findet man.

Eigentlich ist Lajos Tornyosi Tättowierer, aber warum nicht mal auch das Können auf Leinwand oder Print bannen?

Auf Lajos Tornyosis Seite liest man „Zu den Leidenschaften in meiner Kindheit zählten zwar Unfug und Skateboarden, aber im Zeichnen konnte ich mich am allermeisten begeistern“. Begeisterung und Talent, Leidenschaft und Zielstrebigkeit, … Lajos Tornyosi beweist, dass Kunst und Tattoo sich nicht ausschließen.

Graffity, Streetart, Tattooing, … fortwährend sucht man Schubladen, die helfen alles wohlsortiert zu verstauen, aber Künstler wie BUJA oder Tornyosi brechen die Clichés auf. Sie spielen mit vergötterten Helden, und öffnen das Portal in ein anderes Bewusstsein. Und an der Wand erinnern sie uns, dass es da noch mehr geben könnte, als das, was wir für die einzig mögliche Realität halten.

Edel glänzende Kuben im Raum. - Metall? Legierung? An die Wand "geklotzte" Realität. Kuben in groß. Steel Art von Daniel Springer, inszeniert vor exklusivem Ambiente. In einer Zeit, in der man über Konsum vielleicht zweimal nachdenkt sucht man vielleicht etwas Besonderes. Etwas Einmaliges, das man durch die Zeit tragen kann. Bei Steel Art findet man, was nicht jeder hat. Stahl.

Kann Stahl wirklich so glänzen? Man darf einen Würfel in die Hand nehmen und wundert sich. Was wiegt Stahl? Es ergeben sich Fragen und die Ästhetik des Werkes wird ergänzt durch die Neugier an mehr Details. Die Neugier auf das Material. Auf Werkstoffe. Der Amboss über einem der beiden Sessel soll vielleicht auf die lange Tradition der Schmiedekunst hinweisen. Altes, Traditionelles wird hier offensichtlich wertgeschätzt. Das Handwerk durch die Blume gelobt.

Eine Wasserwaage in einem Rahmen ist nach der Wasserblase ausgerichtet, so dass sie gerade hängt, der Rahmen indes ist vollkommen schief. Wollte man sich nicht am Rahmen stören, müsste man umhängen, den Rahmen an den Linien und Kanten der Umgebung ausrichten, dann aber hinge die Wasserwaage schief. Ein Teufelskreis ohne Lösung. „Auf die Perspektive kommt es an steht geschrieben.“

Dann betrachtet man die Kugelwerke und man erinnert sich vielleicht an die Kindheit. Glasperlenspiele in loser Erde, Murmeln, Klicker, Stahlkugeln. Das Fallen einer Kugel auf den Grund, wie das Fallen eines Steins in stilles Wasser, freier Fall oder beschleunigter Schuss … was sieht man mit Blick auf die Vorderseite? Was mit Blick auf die Rückseite?

Was macht das Hirn aus der Ansicht? Kugeln auf Metall? Einschüsse? Auf einer Seite hängt ein Werk, eine Spalte mit einer Kugel, die durchschlägt. - Durchschuss! Aufriss! Aber längliche Öffnung? - Spalte? - Eigenartige Assoziationen tauchen auf. – Gewollt?

Das Hirn, das Hirn und immer wieder das Hirn, es bringt seltsame Gedanken. Cubes and Bullets als Steel Art und gegenüber hängt Holz.

Diemo`s timber steht angeschrieben und es sind Holzarbeiten als Wandkunst ausgestellt, wie Satellitenbildansichten von Flussläufen. Als übereinandergehangenes Triptychon, mit hellem blau akzentuiert. Wie Erde mit nur noch Resten von Wasser.

„Echte Schönheiten“ sind die Holzarbeiten und sie zeigen die Geschichte des Holzes. Walnuss und Eiche in diesem Fall, erklärt der Künstler. Die Wellen im Holz bleiben als lebendige Geschichte. - Gegenwärtig, in einer Zeit der verstärkten Abholzung, als Antwort auf die Energie- und Klimaschutzproblematik.

Naturkunst, eine wertvolle Kunst, da sie dokumentarischen Charakter hat. Man könnte an den Stücken datieren und die Ereignisse rekapitulieren, die das Holz schon hinter sich hat. Aber vielleicht wird das die Aufgabe der Archäologen der Zukunft sein. Wie das Wundern über die Kubenstäbchen an der Wand.

Menschenspuren, liest man auf einem Plakat zu einer Ausstellung von Raul Lopez Garcia aus dem Jahr 2016.

Garcias Arbeiten beschäftigen sich mit Zeichen und Sprachen, Buchstaben und Alphabeten, und mit den Zusammenhängen von visualisierter Kommunikation als Spur durch die Zeit.

BABEL, wie ein Turm angeordnet, mit einem Zeichenmix aus Vergangenheit und Gegenwart, wird vor unserer Nase weggekauft. Eben noch da, ein „blink of an eye“, und schon ist es weg.

Aber da ist ja noch mehr. Inmitten einer Anordnung aus zehn quadratischen Kleinformaten: Das Bild eines Verzweifelten, inmitten der Algorithmen, denen wir alltäglich ausgeliefert sind, gehangen unter Maya-Symbolen, über die man sich zu erinnern glaubt, dass sie irgendwann plötzlich verschwunden waren. Der Binärmensch hält die Hände vor Augen. Ahnt er? Oder weiß er, was kommen wird?

Spuren der Gegenwart, lesbar in Fingerprints. Man streift in Gedanken durch eine Geschichte der Menschheit, die denk- und fragwürdige Spuren hinterlassen hat und hinterlässt. Welche Spuren sollte man in die Zukunft tragen? Welche Spuren wird man selbst hinterlassen?

Die ARTe Sindelfingen zeigt viele Holzarbeiten und Holzskulpturen. Während man draußen der Energieproblematik mit Abholzung begegnet, Pelletöfen gegen den steigenden Ölpreis in Mode sind und lange Trockenphasen das Holz ausdörrt und die Natur auslaugt, nimmt man sich hier dem Werkstoff Holz an und hebt seinen Wert hervor. Und manch einer spielt mit den verschiedenen Farben der Holzarten.

Dirk Meier zum Beispiel puzzelt seine Bilder mit einer Dekupiersäge zusammen. Kleindetailige Arbeiten mit finsteren Figuren, wie Freddy Krüger, Joker oder auch mal einfach nur eine Strandszene mit Liegestuhl vor roter Sonne, … Dirk Meier zeigt, was Holz kann. Beim zweiten Blick erkennt man die unterschiedlichen Holzsorten und Meier klärt auf, welche Holzsorten er verwendet hat. Da findet sich dunkles Wenge, genauso wie rötliches Teakholz, und manchmal wird auch noch eine rauchige Note eingearbeitet. Geröstetes Holz denkt man so und muss kurz an die vielen Waldbrände der Gegenwart denken. Ohne Lösungen wird es vielleicht eines Tages aussehen wie auf den Osterinseln und es bleiben nur noch steinerne Riesen und möglicherweise einige Holzkunstwerke an den Wänden einer ungewissen Zukunft.

Immer wieder muss man feststellen, dass man sich gar nicht genug berauschen kann an den Kunstfertigkeiten der Kreativen, die ihren Blick auf diese Welt in Arbeiten überlassen, welche die Faszination an einer, oder die Liebe zu einer Arbeit zeigen und spürbar machen. Die dämonischen Gestalten verlieren hier an Finsternis und wirken fast schon wie Freunde. Fast! Auf jeden Fall wie alte Bekannte, die einen durchs Leben begleiten.

Aus der Finsternis schöpft wohl auch der Künstler Michael Moesslang. Eigentlich auf der Suche nach Dirk Meier, zieht er uns in seine Welt und man taucht ein in ein Universum, dem man nicht näher kommen möchte. Eine Welt, von der man sich keine Vorstellung machen kann, will. Eine abgründige Welt, vielleicht für beide Seiten ein Albtraum. Wer könnte helfen? Retten? Aber vielleicht spielt einem die Fantasie auch einfach nur einen Streich und man hat zu viele Bilder im Kopf. Zu viele Filme gesehen und zu viel Schreckliches gelesen. Bei all der Finsternis ist schwer vorstellbar, dass einer noch aufwachen will, der durch die Hölle durchgegangen ist.

Auf Moesslangs Seite findet man ein Werk mit dem Titel „Wake me up, when it´s over.“ Und man ahnt …

Man wischt den Gedanken beiseite und zieht weiter. Eine Erinnerung bleibt. Der Gedanke daran, dass man vielleicht manchmal die falsche Seite verurteilt. Wie werden Monster geboren? Alles nur Fantasie und Fabel?

Dass Kunst Fantasie weckt und wecken kann, ja wahrscheinlich auch wecken soll demonstrieren auch die Werke von Manuela Lutz. Es ist nicht das erste Mal, dass man vor den Werken stehen bleibt. Luftige Leichtigkeit und ein Auflösen in Bewegung ist dargestellt, so wird es erklärt. Man sieht die Auflösung und völlige Entrückung während des Aktes und glaubt den farbgewordenen Zustand von Trance zu entdecken.

Die Gemälde sind Schönheiten der Ästhetik und wirken mystisch anmutig. Wie Seifenblasen oder geisterhafte Luftwesen, die sich ineinander verschlingen, miteinander verwirbeln und sich am Ende fast zu Eins auflösen. Wollte man Harmonie in Farbe fassen, kämen die Werke von Manuela Lutz dem schon ziemlich nah.

Ganz anders die Werke von Joanna Zylla , vom Atelier Kantor. Tunnel, Motoren, Industrie und gemalte Geschwindigkeit. Mittendrin Joanna Zylla, eine kleine, starke Persönlichkeit, die der Welt ihr industrie-geprägtes Gesicht in Farbe verewigt. Ein Gesicht in Öl auf Leinwand, geprägt von Stahl.

Metall, Rost und Maschinen, wie ein Innehalten in der Menschheitsgeschichte, zum Zeitpunkt der Zeitlosigkeit, an dem alles verloren scheint. Motoren spielen eine wesentliche Rolle und beim Werk Monaco soll man einen Ferrarimotor erkennen, indes will das eigene Hirn ein Insekt erkennen. Einen Gliederfüßer, wie einen Tetrapoden, Trilobiten-ähnlich. Wie ein Alien. Nicht von dieser Welt. Den Tunneln im Untergrund setzt Joanna Zylla ein Denkmal, ebenso, wie den Planeten, die sie ein spiegelndes Wabengemälde flankieren lässt, aus dem ein Auge herausschaut, vielleicht das Auge eines Hundes, das beobachtet, wie ein Geist.

Auf Joanna Zyllas Seite im Internet findet man das Gemälde einer Ölplattform mit dem Titel „Lost“ und man kann sich vorstellen, was es damit auf sich hat.

Lost! Das Jugendwort des vorvergangenen Jahres. - Verloren. - Als hätte man die Orientierung verloren in einer Zeit des hemmungslosen Konsums und des „Immer mehr“ von allem, das schlussendlich Öl als Basis braucht, fossile Energieträger, um zu Plastik zu werden, oder in Motoren verbrannt.

Bei Heidi Kamin verharrt man und schaut genau. Die Farben harmonisch, erdfarben und naturverbunden, ganz eins mit der Erde, aber wird auch die Bewegung beim Anblick spürbar. Der Eindruck zählt und das Gefühl. - Ist es wie immer? Man geht in sich und horcht. Spürt in sich hinein. Tun das alle, die sich auf den Weg machen zur Kunst? Dem Gefühl nachspüren? Dem Flow?

Bei Mara Art findet man einen Flyer, in dem von der heilenden Kraft der Kunst gesprochen wird. Man erinnert sich an Gespräche, darin wurde auch schon das Gegenteil gesagt. Welche Anstrengung Kunst sein kann, was es auslöst, wie sie mitreißt, fortreißt, in andere Sphären entführt, mal nur das Schöne ersinnend, mal um eine Sprache zu finden, mit der man Unaussprechliches zur Sprache bringen kann und manchmal auch nur mit einem humorigen Augenzwinkern, um den Betrachter an den ureigensten Instinkten zu packen, die er vielleicht nochmal überdenken könnte, das zeigen die vielen Künstler auf der, wie geschrieben steht, zum letzten Mal in Sindelfingen stattfindenden ARTe Kunstmesse.

Mara Art wirkt spirituell, voller Heilkraft und Tiefsinn, fließend, wie auflösend und am Ende wohltuend durch die Farbgebung. Man sieht farbintensive Strukturbilder, die positive Energie schenken.

In den abstrakten Welten bewegt sich auch Klaudia Thiel. Es ist die Farbintensität, die anzieht. Leuchtende Werke, wie vom Spektrum Licht reich übergossen, in all den einzelnen Spektren. Bzw. Frequenzen. Den Wellen, deren Längen uns sehen lassen, was wir sehen. Nach menschlichem Ermessen. Mit menschlichen Fähigkeiten.

Nicht zuletzt ist da dann noch die humorige Komponente in der Kunst

Man erinnert sich an einen Keith Haring, unbedingt bekannt von „We the Youth“. So humorig, wie man vielleicht glaubt, ist das Mural aber gar nicht und es gibt viel Anlass zu Spekulation bei der Kunst eines Frank Scheidhauers, der die fast zu Strichmännchen stilisierten Menschen eines Keith Haring persifliert und auf seine ganz eigene Art darstellt. Man hat nicht näher nachgefragt, aber erkennt eine Ähnlichkeit. Das Hirn will sie erkennen, immerhin hat es Haring schon vor vielen Jahren in einer Schublade abgelegt, ohne sich näher mit den Hintergründen zu beschäftigen.

Die Kunst auf der ARTe setzt wie immer vieles in Bewegung und das Hirn arbeitet unablässig und versucht einzuordnen, was es sieht. Nicht immer werden die richtigen Schlüsse gezogen, manchmal ist man mit den Interpretationen auf dem Holzweg, aber was zu erkennen ist: Menschen verlieren sich in ihren Arbeiten und man erkennt die Passion dahinter. Die Arbeiten sind es wert genauer betrachtet zu werden und wer sich für die Geschichte hinter den Werken interessiert, der wird Antworten bekommen. Aber Obacht: Manchmal sind es einfach nur Geschichten, denn ART ist Show.

„The Show must go on“ geht es durch den Kopf und man resumiert. Industriedesign, Werkstoffkunde, viel Holz und Metall, eine Welt in abstrakt und Farbe und die Vielschichtigkeit des menschlichen Daseins. … Die ARTe Sindelfingen zeigt, dass das Menschsein mehr bereithält, als Fortpflanzen und Arbeiten, um zu überleben. Kunst ist durchaus ein Medium, das man als Sprache bezeichnen kann.

Was auch immer man sehen möchte, … was man selbst, oder das Hirn im Unterbewusstsein daraus macht, steht auf einem ganz eigenen Blatt geschrieben.

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