64625 Bensheim

Geliebter Denk Mal Schutz

Überdimensionale, gelbe Gummistiefel!

GALERIE Lange + Pult entführt in die Illusion von verzerrter Größenwahrnehmung und man fühlt sich klein und hilflos, … wie in einer Simulation an einem Computerspiel, in der man mal die Form wandelt und die Welt aus Sicht eines Kleintiers betrachtet. „Bin ich ein Wattwurm im Watt!“ Oder eine Schabe vor einem Korkenzieher, geschraubt in Beton?“ Man spielt klein. Spielt Insekt. Denkt sich in eine andere Dimension. Das Insekt würde sich vielleicht so seine Gedanken machen, vielleicht.

Wozu all die Dinge? Wozu ist das alles gut, was die Menschen da so anfertigen, herstellen, dafür Böden auslaugen und Atmosphäre vernichten.

Kommt jeder Betrachter wirklich vom Gummistiefel über Konsumkritik auf Klimawandel?

Denk Mal!

Tony Cragg um die Ecke lässt vielleicht den ein oder anderen Besucher verwundert verharren, im Versuch zu begreifen, …

Und manch einem berührt es einfach das Herz. Unabhängig davon wie das Ergebnis ausfällt: Was hoffentlich bleiben wird ist der Eindruck des Besonderen. Des Einmaligen. Dass man vor etwas hat stehen dürfen, das vielleicht eines Tages auf berühmten Plätzen in der ganzen Welt verankert wird, um es für immer nur noch dort zu bestaunen.

Das stelle man sich vor: Die gelben Gummistiefel auf dem Markusplatz in Venedig, während einer Biennale vielleicht. Lilian Bourgeat würde es gefallen.

Oder Tony Cragg vor dem Portal eines Tonhauses. - Man spielt Möglichkeiten durch und wünscht den Bildhauern oder modernen Form-Artisten gute Plätze und große Sichtbarkeit, um einen Blick der Vorbeieilenden zu erhaschen und sie zum Grübeln zu bringen. Oder in Staunen zu versetzen.

Skulpturen sind immer leise-laut:

DENK MAL!

Bienenwabe? Wespennest? Wäre man nicht zuerst links eingetreten, sondern rechts, hätte man direkt einen Gegenpart zu Cragg gefunden: Eine überdimensionale Skulptur, die einer Flug-Insektenwabe ähnelt. Helles Gestein, durchlöchert von Bohrlöchern, deren Bohrkerne unter der Skulptur aufgereiht sind. Man denkt sofort an die Fondation Kubach-Wilmsen und an die Bibliothek der Erdgeschichte. Man denkt an Tiefengesteine und Metamorphose. An Marmor und Dolomit, und ist unterwegs zum Anfang. (Mit Julian Charrière) Oder kommt vom Anfang. - Nicht eindeutig. - Aber spürbar! - Man begeht einen Zeitpfad.

Am Ende der Wabe, mit den Galerien Carolina Nitsch / SIES + HÖKE, Kadel Willborn und Guido W. Baudach im Rücken: Das Werden und Vergehen eines Waldes. Zeitraffer?

- Vielleicht. Die Galerie Dittrich & Schlechtriem neben der Galerie Thomas Schulte präsentiert die Arbeit von Andreas Greiner, als einem von Zwölfen, deren Kunst wie ein Aufschrei verstanden werden kann. Ein Aufschrei, wie es um den Zustand der Welt bestellt ist.

Die Videoinstallation von Julian Charrière (Galerie Dittrich & Schlechtriem) offenbart das, was im Meer ertaucht wurde. Aufnahmen von Quallen, Seesternen, Oktopoden, … die sich der menschlichen Hinterlassenschaften annehmen, sie als Behausung erobern, und sich zunutze machen. „Upcyclen“, was andere zu Müll erklärt haben.

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Die Natur kompensiert die Übergriffe durch den Menschen seit Jahrtausenden, ob sie allerdings den nicht materiellen Übergriff in Luft, Wasser oder auf dem Land überstehen kann, muss sich erst noch zeigen. Der Zustand der Welt, die sowohl sozialen, als auch materiellen Ungerechtigkeiten unterworfen ist, und die verzweifelte Suche nach Lösungsansätzen, fordert alle heraus! Von vielen Seiten gibt es Antworten. Ist man aber schon weiter gekommen als bis zu Tropfen auf heißen Steinen? Von wo müssen die Konzepte auf den Weg gebracht werden?

DENK MAL!

Galerie Anita Beckers hat Digitale Kunst im Gepäck!! Man kann es sich zu Hause vorstellen. Zum Abschalten! Überdimensional! Ein neutraler Bildschirm und es tropfen digitale Farben über das Display. Oder ist der Vergleich eines Ziehens besser? Man hört jemanden den Vergleich zu Gerhard Richter ziehen, (der seine 90 in diesem Jahr voll hat), nur eben digital, und der Name des Künstlers, den man sich merken darf ist: Daniel Canogar. Berauschend das Werk und berauschend die Erklärung, wie das Werk entsteht. Sind sie beliebig variierbar die Algorithmen, die besondere Abläufe und Reaktionen ergeben? Erwirbt man das Programm für sich allein? - Vielleicht.

Anita Beckers Contemporary Art and Projekts zeigt genau das richtige Gespür für den Geist der Gegenwart und die zukunftsorientierten Impulse, die tonangebend sind und sein werden.

Bildschirmschonende, beruhigende Farbkombinationen, die Wortfolgen oder Farbverläufe abspielen. Die Galeristen erklären den Mehrwert und überzeugen von der Bedeutung der Arbeit des Künstlers Daniel Canogar. Welche Folgen die Rechenleistung all der Algorithmen dieser Welt für die Erde am Ende haben wird:

DENK MAL

Meteoritenspäne auf Leinwand, die alt und vergilbt wirkt, sind das Werk von Ulrike Arnold, ausgestellt von Galerie Beck & Eggeling. Die Späne, als Überreste erhalten, die beim Zuschnitt von Gesteinsproben anfallen, wenn das Gestein untersucht wird, dünngeschliffen und mikroskopiert, wenn das Licht und seine Brechung die Besonderheiten an den Tag bringen, diese Späne wurden Ulrike Arnold übergeben. Die Arbeiten schaffen eine Verbindung zwischen dem Irdischen und dem, was im Orbit kreist und allem darüber hinaus.

Bis zum Anbeginn kann man reisen, wenn die Fantasie ausreicht, Hilfe bekommt man von den Astronauten. Die eine Wand weiter hängen und das Irdische immer kleiner und belangloser machen. (Mehr von Matthias Schaller ist aktuell in einer Soloausstellung im NRW Forum in Düsseldorf zu sehen).

Eine Skulptur von dem ukrainischen Künstler Aljoscha (Galerie Beck & Eggeling), die aussieht, wie ein abgehobeltes Stück Tête de Moi, aber beim näheren hinschauen Wesen erkennen lässt, die wie die Materialisierung (außer-)irdischer Substanzen aussehen, rundet den Eindruck von der Belanglosigkeit allen Irdischens ab. Ähnlich, wie bei Daniel Cragg, ist es die Fantasie, die das Betrachtete mit Leben füllt. Wie soll ein Leben aussehen, das so klein und nichtig erscheint? Welchen Sinn kann man dem Leben geben? Wie? Wie kann man das eigene Dasein in Einklang bringen mit allem, was da kreucht und fleucht? Es bleibt ein großes Fragezeichen und ein riesiges:

DENK MAL!

Im Geiste zurück bei den Gummistiefeln: – Hat man den richtigen Maßstab gewählt? Wessen Augen würden die Gummistiefel in der Größe wahrnehmen. Die eines Insekts? Die eines Vogels? Oder gar eines Haustieres wie Hund oder Katze? Wenn Robodogs durch Pompeis Straßen wandeln, wer schaut dann durch diese Augen in der Froschperspektive? Und warum gelbe Gummistiefel?

DENK MAL!

So unendlich viele Fragen, auf die es so unendlich viele Antworten gibt und am Ende weiß man doch nichts. Man hat nur eine Ahnung davon, dass Alles mit Allem zusammenhängt. Die ART Düsseldorf inspiriert und beweist: Kunst bringt zum Denken!

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