Anja Kuss (1977, geboren und aufgewachsen in Leipzig sowie Rüsselsheim) lebt und arbeitet heute in Nauheim. Unter dem Titel KussArt arbeitet die Künstlerin im Feld der Objektkunst an der Schnittstelle von Material, Zeit und innerer Wahrnehmung.
Ihre künstlerische Praxis kreist um Fragen von Zeit, Vergänglichkeit und dem Sichtbarmachen innerer Zustände.
Die Werke von Frau Kuss entstehen aus Materialien mit gelebter Geschichte: Holzfragmente aus Abrisshäusern, Büttenpapier (oft aus einer kleinen Manufaktur in Leipzig) sowie Zeichnungen mit Tusche, Kugelschreiber und anderen Stiften. In mehreren Schichten mit Epoxidharz übergossen, geht die Künstlerin oft mit Zeichnungen zwischen die Harzschichten.
Das Harz durchdringt, konserviert und transformiert die Materialien zugleich – es hält Zeit an und macht sie als Schichtung, Tiefe und räumliche Präsenz erfahrbar.
Anja Kuss arbeitet projektbezogen. Ihre Werkgruppen entstehen in umrissenen Zeiträumen und begreifen sich als zusammenhängende, prozesshafte Zyklen. Das erste Projekt „Hard Reset“ entstand 2021 und umfasste 81 Arbeiten, die aus einer rückblickenden Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit hervorgingen. Die Werke fungieren als verdichtete Erinnerungsräume, in denen persönliche Gefühlsfragmente eingegossen sind.
Aktuell arbeitet die Künstlerin an „Hard Reset Vol. II“. Der Fokus dieses Projekts liegt auf der Wahrnehmung und dem Fühlen der gegenwärtigen Zeit. Während sich der Blick im ersten Zyklus rückwärts richtet, steht nun das Jetzt im Fokus als offener, instabiler Zustand – geprägt von Veränderung und Überlagerung.
Im Zentrum ihres Schaffens steht der Versuch, flüchtige Empfindungen aus einer bewussten inneren Wahrnehmung heraus in eine physische Form zu überführen. Unregelmäßige Formen, Farbveränderungen und entstehende Tropfen sind sichtbare Spuren eines Geschehens, in dem Kontrolle und Loslassen in ein fragiles Gleichgewicht treten. Sie verweisen auf die Unbeständigkeit von Realität sowie auf das Nicht-Lineare von Zeit und Erinnerung.
Die leitende Frage ihrer Arbeit lautet:
Wie fühlt es sich an – und wie sieht das aus, was ich fühle?
Kunst begleitet Anja Kuss seit ihrer Kindheit. Bereits zu DDR-Zeiten war sie künstlerisch aktiv und vertrat ihre Schule bei Stadtmeisterschaften. Später entwickelte sich das künstlerische Arbeiten zu einem kontinuierlichen, introspektiven Prozess der Weltaneignung. Anja Kuss ist Autodidaktin und erhielt mentorische Unterstützung unter anderem von der Künstlerin Zoya Sadri.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war sie viele Jahre in einer Führungsposition in einem Unternehmen des Bundes tätig, wo sie prozessorientiertes Arbeiten gelernt und verinnerlicht hat.
Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf der RodgauArt, bei MenschWerk, in regionalen Ausstellungen sowie in Kehlen (Luxemburg) präsentiert.
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