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ARTe Wiesbaden 09/2020


ARTe Wiesbaden 25.09. - 27.09.2020

CRELALA unterwegs im Rhein-Main-Congress-Center in Wiesbaden auf der ARTe 2020.

Endlich: Pünktlich zum Herbstbeginn bläst der kulturelle Wind wieder kräftig in die künstlerischen Segel und das Schiff steuert geradewegs in eine spannende, neue Zeit mit viel Kunst voller neuer Impulse und gewonnenen Einsichten aus einem schwierigen 2020.





Affe, schwarz-weiß, mit Base-Cap, rot. - Obacht bei der Marke! - Schau genau! (Wie es in dem alten Kinderspiel hieß.) Man hat es nicht vergessen. Man muss immer nochmal hinschauen. Sich überzeugen, ob wahr ist, was man sieht.



Helwig Sitter, der Schrift auf seinen Bildern einbaut, Sitter, der skurrile Figuren erschafft, Sitter, der Mickey Mouse als Teil einer besonderen Metamorphose in einen Raumanzug steckt und dem Minotaurus ein gelbes Horn aufsetzt, sowie den roten Ariadne-Faden in die Hand gibt, der Theseus nach Bezwingen des Ungeheuers im Labyrinth aus demselben wieder herausführt. Sitter, der Baselitz gegen Basquiat antreten lässt, auf dem Kopf stehend natürlich, dieser Helwig Sitter ist nur einer der Künstler, die sich vom 25.09. - 27.09.2020 auf der 2. ARTe Wiesbaden präsentieren dürfen.

Über das Wiedersehen mit Milanda de Mont freut man sich besonders. Die ursprünglich aus Australien stammende aparte und charismatische Künstlerin hat den „wilden Strich“ quasi erfunden. Auf jeden Fall will man es so nennen, wenn man ihre Werke betrachtet und der connection auf den ersten Blick nachspürt. Irgendjemand hat einmal vor langer Zeit gesagt, „jeder hat eine besondere Begabung, die er nur noch finden muss“. Bei Milanda de Mont ist es die Fähigkeit den Fluß in Gang zu bringen. Das scheinbar mühelos leichte Arbeiten mit Farbe hinterlässt Eindrücke, in die man eintauchen kann. Man sucht nach Ähnlichkeiten, nach Verbindungen zu Erinnerungen und kann Einzigartiges entdecken. Da ihre Werke abstrakt und informel sind, muss man sich einsehen, aber dann gibt es immer wieder das eine Werk, das einen fesselt. Diesmal ist es ein Horizont. Die Farben grau- sand- und ockertönern, wie ein Meer nach der Apocalypse. Ein Meer aus den falschen Elementen. Und die Luft ist durchwirbelt von Lichtblitzen. Atome, die da sind. Zeichen der Existenz. Venus schiesst es einem durch den Kopf. - So könnte es auf der Venus aussehen. - Oder vielleicht auf dem Jupiter. So viel Kraft geht von dem Werk aus, so viel Energie, Kunst hat so unendlich viele Möglichkeiten einen zu berühren, immer wieder faszinierend.

Der Kölner Skulpturist Bernd Müller gibt sich wieder ein Stelldichein und zeigt mit seinen Bronzen seine Sicht auf die Dinge. Ein System, in dem man nur nach oben kommt, indem man die anderen klein hält. Muss es tatsächlich immer so sein, dass den Aufstieg zu wollen bedeutet, dass man bereit ist seine Seele zu verkaufen? Die heutige Zeit des Wandels, angestoßen durch die Klimawandeldiskussionen seit Jahren, bietet Chancen, dass sich etwas ändern kann. „All hands together“ heißt es in vielen Kampagnen und man will glauben, dass nicht alles ins Leere läuft. Bernd Müllers Arbeiten beweisen, die gute Seele ist noch da. Allein die skulpturelle Auseinandersetzung mit dem System zeigt: Mit dem angestoßenen „Change“ könnte es für ALLE leichter werden.

Nachdem das da Vinci Jahr inzwischen lautlos ins Beethovenjahr übergeglitten ist und man 2020 weder Wien besucht noch 2019 die Mona Lisa im Louvre gesehen hat, weil man sich mal wieder zu lange Zeit gelassen oder in den digitalen Untiefen verzettelt hat, ist man doch froh, dass die Kulturbranche sich allmählich zurechtruckelt und wieder normale Fahrt aufnimmt.

Zwar hat man die originale Dame mit dem irgendwie nicht lächelnden Lächeln nicht in Natura gesehen, aber dafür fasziniert BUJA mit Werken über Mona Lisa. Eine Mona Lisa, die den Betrachter ohne reales, aber doch mit gedachtem Augenzwinkern auf die Schwierigkeiten der musealen Kunstwelt aufmerksam macht. Der in Heidelberg und Speyer arbeitende Künstler, der im urbanen Raum auch schon mal als Streetart zu entdecken ist, kann Kunst. Darum wird ihm an dieser Stelle ein eigener Artikel gestiftet.

https://crelala.de/crelala-kunst-stories/crelala-kunst-blog/alte-bekannte-_-neue-gesichter-_-und-dann-ist-da-noch-buja

Gudrun Dorsch ist eine der Künstlerinnen, die in ihren Bann zieht und fasziniert. Ihre Figuren erinnern an ausgewickelte Mumien und zeigen in faszinierender Art die Schönheit menschlicher Bewegung, ohne, dass noch menschlicher Körper dabei eine Rolle spielt. Die Bänder, aus denen die Figuren erwachsen stehen sinnbildlich für DNA-Stränge. Am Anfang stehen immer die farbig grundierten Leinwände erklärt die Künstlerin, eine wundervolle, sympathische Frau, erst dann entstehen die körperlosen Gestalten. Es ist die Haltung, die erahnen lässt, welchem Geschlecht sich die Form zuordnen lässt, die Art der Bewegung und das vermeintliche Posing. Die Werke der gebürtigen Münchnerin sind eine Hommage an die Körpersprache an sich. Ihre Erklärungen zu den Verwicklungen der DNA-Stränge lassen viel Spielraum für Interpretation.

Auf Matthias Kretschmer muss man leider auf der ARTe Wiesbaden verzichten. Er steckt Coronabedingt im Ausland fest. Dabei hat man sich so auf den Mann der Löffel und Star der Masken gefreut.

Über den dazu gewonnenen Platz freut sich dafür Raphael Gratzl, der dadurch noch ein wenig mehr Glitzer ins ohnehin glamouröse Wiesbaden trägt und sich an Star Trek, Mickey Mouse, Starwars und anderen großen Themen abarbeitet, bei denen dann nur noch der Zusatz fehlt: „Und jetzt streu noch ein wenig Glitzer drüber, und alles ist wieder gut!“

Bei Frank Scheidhauer fällt einem spontan Keith Haring ein. Körper - Rhythmus - Leben heißt es auf der Startseite des Ergo-Therapeuten aus Homburg. Das ganze Sein des Menschen ist Bewegung! Die Bewegungen nicht aufs Strichmännchen zu reduzieren treibt Frank Scheidhauer an. Wie vor einer Bewegungstafel steht man vor einem der Werke des Künstlers und schaut sich durch, Quadrat für Quadrat, beginnend mit dem ersten, in der Leserichtung der westlichen Welt, von links nach rechts und oben nach unten, beginnend also mit dem ersten Kästchen, dem man den Namen geben könnte: „walk like an egyptian.“ Irgendwie ist es das, was immer passiert, wenn man durch die Kunst wandelt, man findet etwas, was man nicht gesucht hat. Wie es schon Picasso erwähnte. Man will in allem den tieferen Sinn entdecken, will etwas mehr sehen, als das, was der Künstler mitgibt und dann hat man plötzlich eine Verbindung zu dem betrachteten Werk geschaffen und der Künstler bekommt Zeit geschenkt. Nicht jedem Künstler gelingt das, nicht jeder weiß es, aber es ist wie eine magische Brücke. In diesem Fall die Brücke zu den Energien des Frank Scheidhauer.

Heidi Kamin - Naturfarben, Naturverbundenheit, Nacktheit, all das gehört zusammen und wird von Heidi Kamin in Naturfarben umgesetzt. Die studierte Künstlerin erklärt wie sie die Natur zur Abstraktion bringt und auf Leinwand Frauenakte inszeniert. Die naturverbundenen Menschen entstehen intuitiv und sowohl Menschen, als auch abstrahierte Natur sind überwiegend in Ocker- Erd- und Brauntönen gehalten. Man verharrt vor den Werken und sucht. Auf den ersten Blick erschließt sich das Bild nicht gleich, wie so oft in abstrakten Werken, doch der Abstraktion wird Unrecht getan, wenn man ihr den Tiefgang abspricht. Manchmal steht man vor einem abstrakten Werk und plötzlich löst sich daraus ein Schatten. Eine Gestalt, die mit einem zu kommunizieren beginnt, und genau das ist es was Heidi Kamins Bilder KÖNNEN. Heidi Kamin KANN. Sie versteht es die Ebenen des Seins ans Licht zu bringen und bizarre Welten zu komponieren, die über die Dimensionen hinaus wirken.

Marmormehl, Seidenpapier, Wachs und Tuch! Darüber hinaus Lack, Acryl und Öl. Das sind die Materialien, mit denen Gunda Jastorff arbeitet, eine Künstlerin aus Hamburg, die erst alles in Farbe komponiert, um dann zu reduzieren. Die Farben, die Energie und Lebensfreude ins Bild bringen, sollen nach dem Wendepunkt zurück ins Weiß gebracht werden. Gunda Jastorff trägt zu Beginn gezielt leuchtende Farben auf um danach in vielen Farbnuancen langsam zu einem lebhaften Weiß zu gelangen. Der Fluss hin zum Licht soll in Gang gesetzt werden. Meditativ beruhigend ist, was am Ende entsteht. Ein Werk, gewachsen aus Intuition und Stimmung, das wie ein Spiegel der Gesellschaft wirken soll und mit Gegensätzen von Farbe und Form spielt.

Eigentlich ist sie Ärztin. Dann doch Tänzerin. Und Künstlerin. Dr. Blanca Mandel hinterlässt Märchenhaftes und Denkwürdiges. Ihre Gesichter, nicht wirklich Porträts und doch verzaubernd. Manchmal sind es Pastelltöne, manchmal kräftige Farben, welche die Landschaften, oder auch Gesichter ausmachen, und dann taucht immer irgendwo etwas Weißes auf, wie Irrlichter, oder Feenstaub. Hoffnungsschimmer auf Leinwand. Es scheint als beginne sich alles aufzulösen, als würde sich die Realität in ihre Atome zerlegen. Als verließe man die Ebene des Diesseits, um in andere Ebenen des Bewusstseins einzutauchen. Es ist die Natur, die Dr. Blanca Mandel antreibt und immer mal wieder tauchen Schmetterlinge in ihren Bildern auf. Vielleicht als Sinnbild für die Metamorphose an sich. In Dr. Blanca Mandels Werken kann man spazieren gehen, lustwandeln und sich verlieren. Es sind Bilder voller positiver Ausstrahlung. Magisch und anziehend, lebensbejahend und Energie spendend, ideal für lichtdurchflutete Zimmer, in denen man sich einfach mal dem puren Sein hingeben möchte.

Utaellamarie Peter hinterlässt der Nachwelt Tiere. Tiere und eine Begegnung mit dem Fließen. Manchmal lösen sich die Konturen auf und ähnlich symbolisch, wie bei Dr. Blanca Mandel beginnt das Konkrete, Fassbare an Bedeutung zu verlieren. Man ist neugierig und sucht noch mehr, will den tieferen Sinn ergründen, der sich aus der Gesamtheit an Werken ergibt und bisweilen bizarre Assoziationen hervorruft, wenn man das Gesehene mit dem zugeordneten Titel verbindet. So berührt das blaue Pferd mit gelbem Horn und dem Titel „out of the dark“ zutiefst. Öffnet man dann das digitale Portal zur Künstlerseite Blinzelstrich sind es die Augen eines bizarren, blauen Wesens, die Gänsehaut hervorrufen. Man stöbert und findet mehr. Nicht allein das Einzelne macht die Person hinter dem Werk aus, alle Bilder zusammen ergeben den Sinn. Man surft im Nachgang durch die digitale Weite und findet dort Sätze wie „... und dann kam da der Pinsel in mein Leben ... So war es: irgendwann lief er vorbei und ich griff zu !“ Utaellamarie Peter ist in der ˋAltersfreiheitˋ angekommen, wie sie schreibt, und man kann es ihr ansehen: Es tut gut. Man spürt die Zeit, die sich die Künstlerin nimmt, ihre Energie in die Werke fließen zu lassen. Die Zeit, ihre Gedanken einzubauen, Gedanken über die Zeit und die Welt, Gedanken, die es wert sind, dass die Welt sie erfährt, dass die Welt sich an sie erinnert und sie nicht irgendeine Nummer ist, die eines Tages in der Beliebigkeit der Masse an Teilchen verschwindet. Und die Zeit ist es, die belanglos wird, wenn man sich treiben lässt und verliert. Verliert in dem Tun, das einen vollkommen vereinnahmt. Die Auseinandersetzung mit der Natur, die jüngsten Werke, wie „Deutscher Wald ?“ zeichnen ein düsteres Bild. Das Bild von einem Rest von etwas, das es nicht mehr gibt. Verbrannt, vernichtet, umwoben von roten Strängen und Fäden, ... man muss zurückdenken an den Ariadne-Faden bei Helwig Sitter und die DNA-Stränge bei Gudrun Dorsch, ein Bild von brennenden Wäldern in Californien kommt hinzu, der Blick auf das Werk „Die Wanderung“ mit einem roten Erwachsenen mit Kind an der Hand, und schon assoziiert man wieder. Zu viel Wissen. Zu viele Bilder im Kopf. Zu viele Informationen. Es ist wohl Zeit all das Gesehene „sacken zu lassen“. Zeit sich zu besinnen. Zeit, Revue passieren zu lassen. Und sich selbst in all den Impulsen einzuordnen. Und dann steht man zuletzt vor „Diana“, der Göttin der Jagd mit großen orange-farbenen Pompom-Ohren und Geweih, die da in Purpur thront, mit überschlagenen Beinen und Gewehr auf dem Schoß und zwei toten Hasen zu ihren Füßen. - Was mag DAS wohl schon wieder zu bedeuten haben?

„Was war, was ist und was sein wird ... wir sind nur ein unbedeutender Teil davon.“ Das hat man schon mal geschrieben. - Wann war das noch? - Kunst bringt den Betrachter immer wieder ins Sinnieren. Sinnieren = Geistreisen! - Es sind die Geistreisen, die alles ersetzen können, was man mit Geld bezahlen kann. Doch diese Erkenntnis birgt ein düsteres Geheimnis, dem man besser nicht auf die Spur kommen möchte.

Utaellamarie Peter hat es wieder einmal bewiesen: Kunst lohnt sich. Kreativität ist nicht nur eine Randdisziplin, die hinter den MINT-Disziplinen zurückfallen sollte. Die Unternehmen haben das lange Zeit gewusst, sie sollten sich rückbesinnen. In allen Bereichen könnte man die Menschen zur Kreativität anstacheln. Am Ende genügt ein Bleistift und ein Blatt Papier und JEDER könnte loslegen. Es war spannend zu beobachten, was dabei herauskam, als der Lockdown über alle hereinbrach. Aber hat man daraus gelernt?

Die Kunstwelt im Umbruch, das ist schon lange zu spüren, 2020 stark gebeutelt, weil sie sich nicht präsentieren konnte. Sich nicht mitteilen konnte. Es ist ein Segen, dass sie endlich wieder in das alltägliche Leben zurückkehrt . Schaumgebremst wohl, aber das ist auch gut so, denn etwas Entschleunigung war zwingend notwendig.

Sich überschlagende Motivation, ein immer MEHR im Meer der wachsenden Möglichkeiten, bis es dann soweit war und alles ausgebremst wurde. Es konnte nicht ewig so weiter gehen, ohne einen nie wiedergutzumachenden Schaden anzurichten. JETZT ist man mittendrin. Mittendrin im Innehalten und nachdenken.

Es könnte viel bewirken die Zukunft auf einen vollkommen anderen Weg zu bringen.

DANKE ARTe 2020!

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